• Vom Amt zur Flüchtlingshilfe: Berliner Behörden stellen 361 Kollegen für Noteinsatz frei

Vom Amt zur Flüchtlingshilfe : Berliner Behörden stellen 361 Kollegen für Noteinsatz frei

Alle zwölf Berliner Bezirke haben Mitarbeiter freigestellt, um das Lageso sowie den Koordinierungsstab zur Flüchtlingshilfe zu unterstützen. Und auch die Senatsverwaltungen wollen helfen.

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Flüchtlinge warten auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales.
Flüchtlinge warten auf dem Gelände des Landesamtes für Gesundheit und Soziales.Foto: dpa

In sämtlichen Bezirksämtern ist die Personaldecke so dünn, dass viele staatliche Dienstleistungen nicht so erbracht werden können, wie sie sollten. Dennoch haben alle zwölf Bezirke Mitarbeiter abgestellt, um das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) sowie den Koordinierungsstab zur Flüchtlingshilfe vor dem Kollaps zu bewahren. Auch alle Senatsverwaltungen sind bereit, einige Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. In diesem Jahr sind bisher rund 27 000 Flüchtlinge in Berlin angekommen. Wie viele es zum Jahresende sein werden, vermag niemand mehr voraus zu sagen.

361 Mitarbeiter haben die Behörden laut Sozialverwaltung bis jetzt als Nothelfer gemeldet. Die hohe Zahl überrascht Kenner der Berliner Verwaltung, sie hatten nicht mit einer solchen Flexibilität gerechnet. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und der Hauptpersonalrat des Landes Berlin dankten in dieser Woche auch den Beschäftigten für ihren Einsatz, das große Pflichtbewusstsein und eine starke humanitäre Haltung.

Katastrophale Bedingungen verbessern

„Die freiwillig das Lageso Unterstützenden erfahren die Solidarität ihrer Kolleginnen und Kollegen, die deren Arbeit mitbewältigen werden", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. Aus Senatskreisen hört man allerdings auch, dass manche Verwaltungen froh waren, sich auf diese Weise zumindest vorübergehend von nicht so leistungsstarken Mitarbeitern trennen zu können.

Die Sprecherin von Sozialsenator Mario Czaja (CDU), Regina Kneiding, wies aber Vermutungen zurück, wonach Verwaltungen eventuell gezielt missliebige Beschäftigte ins Lageso schickten. „Das geht gar nicht; die Abordnung beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit." Anfang August hatte der Senat in seinem Konzept zum Umgang mit Flüchtlingen beschlossen, dass andere Behörden Beschäftigte abstellen sollten, um die katastrophalen Bedingungen bei der Erstaufnahmestelle an der Turmstraße zu verbessern.

Auch Abgeordnetenhaus beteiligt sich

Von der Senatsverwaltung für Justiz wollen 62 Beschäftigte vorübergehend wechseln, in der Innenverwaltung haben sich 56 Mitarbeiter bereit erklärt. 103 zusätzliche Kollegen haben inzwischen schon beim Lageso (42) und im Koordinierungsstab (61) ihre Arbeit aufgenommen.

Alltag im Flüchtlingsheim
Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet sich im Hintergrund. Im Februar hat die deutsch-schweizerische Künstlerin Barbara Caveng in einem Heim für Asylsuchende in Spandau ein Kunstprojekt begonnen. Beim "Kunstasyl" entscheiden die Bewohner mit den Künstlern gemeinsam, was sie tun wollen, um das Heim zu einer Heimat zu machen - und sei es auf Zeit. Ein Teil der Fotos von Till Rimmele sind am 23. Juli 2015 auch in einem vierseitigen Dossier zum Thema im gedruckten Tagesspiegel erschienen, oder nachzulesen im E-Paper.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Till Rimmele
23.07.2015 00:02Milat aus dem Iran schleift mit anderen die Außenseite des Kunstasyl-Bauwagens. Er ist das Symbol des Projekts. Das Heim befindet...

Auch das Abgeordnetenhaus beteiligt sich und will drei Beschäftigte abordnen. Allerdings dauerte es im Parlament eine Weile, bevor die Mitarbeiter vom Parlamentspräsidenten informiert wurden. Das entsprechende Rundschreiben wurde erst nach einigen Wochen versandt.

Man habe auf das Ende der Ferien gewartet

Dies habe aber nicht daran gelegen, dass man das Lageso nicht unterstützen wolle, sagte ein Sprecher. Man habe lediglich auf das Ende der Schulferien gewartet. Dies sei sinnvoll gewesen, da ein Großteil der Beschäftigten während der Berliner Sommerferien in Urlaub war und das Rundschreiben sonst nicht wahrgenommen hätten.

Gemeldet haben sich nach Angaben der Sozialverwaltung auch 88 Pensionäre. Aber bislang ist erst ein einziger Ruheständler vermittelt worden. Bei den Pensionären besteht in der Regel noch Klärungsbedarf, wie die Bezahlung geregelt werden kann.

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