Berlin : Vom Höllentor zum Times Square: Gerd Winner malt New York und Berlin

Daniela Martens

Er wohnt in Hotels. Er fotografiert in New York den Times Square und die Freiheitsstatue, in Berlin das Brandenburger Tor und die Siegessäule. Wie ein ganz normaler Tourist eben. Anschließend macht Gerd Winner aus den Fotos Schablonen für seine großformatigen Acrylbilder in Popart-Manier – in seinem Barockschloss im Harz. Man sollte jedoch nicht wagen, den Graphiker und Maler zu fragen, ob er ein „Kunst-Tourist“ oder „Touristenkünstler“ ist. Denn dann wird der 69-Jährige sehr ungehalten.

„Sie haben gar nichts verstanden“, ruft der Mann mit dem grauen Schnauzbart nach dieser frechen Frage aufgeregt und läuft los – quer durch den Ausstellungsraum im Untergeschoss des Automobil Forums der Volkswagen AG Unter den Linden. Dort ist seit heute seine Ausstellung „Urbane Strukturen Berlin – New York“ zu sehen.

Der erboste Künstler bleibt vor einem bunten Bild stehen: „Sieht so etwa New York aus?“, fragt er. Schriftzüge, Fensterfronten, Straßenschilder sind zu einem komplizierten Muster ineinander verschachtelt. Und doch ergibt alles zusammen einen Eindruck von der Großstadt New York. Aber der Künstler, der in Berlin studierte und 1989 zurück in die Nähe seiner Geburtsstadt Braunschweig zog, beharrt darauf, dass er nicht einfach New York abbildet: „Mir geht es um das Ideal und Urbild von Städten.“

Berlin sei für ihn „die absolute Stadt der Kreativität und Spiritualität“. Trotzdem sind in der Ausstellung wesentlich mehr New-York-Impressionen zu sehen. Berlin – das ist für Winner vor allem das Brandenburger Tor: „Der absolute Brennpunkt der Stadt, ein Durchgang zwischen den Welten – ein Höllentor.“ Mehrere Jahre hat er an seiner vierten „Berlin Suite“ gearbeitet. Nun wird die kubistisch wirkende Bilderreihe zum ersten Mal ausgestellt: das Brandenburger Tor aus der Froschperspektive, passend zur Hölle teilweise in tiefes Rot getaucht. „Das brennt“, sagt Winner. „Alle meine Bilder zeigen meine Gefühle.“

Wenn der Betrachter seine Liebe zu Berlin dort nicht sehen könne, dann sei ihm nicht zu helfen. Und warum hat der Künstler der Stadt trotz all der Zuneigung den Rücken gekehrt? „Ich brauche die Distanz, um über Berlin arbeiten zu können.“

Ausstellung bis zum 15. Oktober, täglich geöffnet, Eintritt frei.

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