Berlin : Von Amsterdam lernen

Der niederländische Botschafter Marnix Krop ist leidenschaftlicher Radfahrer In seiner Hauptstadtrede spricht er sich für mehr Freiheit auf den Straßen aus.

Botschafter auf zwei Rädern. Marnix Krop auf einem der vier Diensträder der Botschaft. Foto: Mike Wolff
Botschafter auf zwei Rädern. Marnix Krop auf einem der vier Diensträder der Botschaft. Foto: Mike Wolff

Was fasziniert Niederländer an Berlin? „Ein Gefühl der Freiheit, eine Perspektive auf neue Möglichkeiten, ein Versprechen für die Zukunft“, sagte Botschafter Marnix Krop in der Hauptstadtrede der Stiftung Zukunft im Prinz-Claus-Saal der niederländischen Botschaft in Mitte. „Hier kann man so sein, wie man ist“, sagte der Botschafter und verglich Berlin mit Amsterdam. Aber Berlin biete „Raum zum Leben, Raum zum Experimentieren, Raum, etwas auf die Beine zu stellen, kurzum: Freiheit.“

In der Ausübung ihrer Freiheit verbindet Niederländer aller Schichten vor allem eins:  das Fahrrad. „In den Niederlanden gibt es mehr Fahrräder als Einwohner“, sagte Krop. „Und so erstaunt es nicht, dass wir 36 Prozent aller Fahrten bis fünf Kilometer mit dem Fahrrad absolvieren.“ An der Gesamtmobilität der Niederlande habe das Fahrrad einen Anteil von 25 Prozent, in Deutschland sind es nur zehn Prozent.

Auch Marnix Krop ist leidenschaftlicher Radfahrer. Deswegen freut es ihn, dass in Berlin immer mehr Rad gefahren wird, ja, dass er sich in Kreuzberg oder Prenzlauer Berg schon manchmal fühlt wie in einer holländischen Enklave, „so sehr beherrschen dort die Fahrräder das Straßenbild“. Auch weil die Eltern ihre Kinder meist in niederländischen Transporträdern durch die Gegend fahren.

Dennoch fragt Krop kritisch: „Sind Radfahrer in Berlin gleichberechtigte Partner im Straßenverkehr?“ Dazu gehöre die Frage der Radwege, aber auch die Rücksichtnahme der Radfahrer. Ob Radfahren in Berlin schon eine „Freiheitsübung“ sei, ist seiner Ansicht nach noch zu bezweifeln. Krop begrüßte die Radverkehrsstrategie des Senats, bezeichnete sie aber als unzureichend. Es gehe nicht nur um die Hardware neuer Radwege, sondern auch um die Software, „das heißt, die richtige Mentalität, den Willen, sich unter freiem Himmel fortzubewegen und in der Stadt schnell ans Ziel zu kommen.“ Hier könne Berlin von Amsterdam lernen. Daher veranstalte die Botschaft als Dank für erlebte Freiheit in Berlin am 21. November ein deutsch-niederländisches Fahrradsymposium mit Teilnehmern beider Länder und Städte an, um das Know-how weiterzugeben. R.B.

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