Berlin : Von Freundin verlassen: 19-Jähriger rächt sich brutal

Junge Frau mit kochendem Wasser übergossen und niedergestochen. Kripo fahndet nach dem Täter wegen versuchten Mordes

Tanja Buntrock

In dem weiß gestrichenen Einfamilienhaus in der Marzahner Pekrunstraße sind die Jalousien heruntergelassen. Die Gartenpforte ist abgeschlossen: Das Ehepaar W. schottet sich ab. Nur die Kriminalpolizei ist im Haus. Seit Montagabend warten alle darauf, dass der älteste Sohn, der 19-jährige Maurice W., nach Hause kommt. Nach ihm fahndet die Polizei wegen versuchten Mordes. Er soll seine Ex-Freundin zunächst mit heißem Wasser übergossen und dann mit einem Messer niedergestochen haben. „Er konnte die Trennung nicht verkraften“, sagt der Leiter der 5. Mordkommission, Michael Hoffmann.

Das Beziehungsdrama in der sonst so ruhigen Einfamilienhaus-Gegend in der Pekrunstraße beginnt am Montag um kurz nach 18 Uhr. Maurices Ex-Freundin, die 18 Jahre alte Stefanie M., ist zu Besuch. Ein halbes Jahr waren die Oberstufenschülerin und Maurice ein Paar. Bis vor kurzem. Dann wollte Stefanie die Beziehung nicht mehr. Am Montag haben sich die beiden „zu einem klärenden Gespräch“, wie die Polizei sagt, getroffen. Das Gespräch endete mit dem Mordversuch. „Der Täter hatte das kochende Wasser schon in seinem Zimmer bereitgestellt. Er muss es dorthin gebracht haben, weil es keinen Herd in dem Raum gibt. Wir gehen davon aus, dass auch das Messer bereitlag. Die Tat war also geplant“, sagt Hoffmann.

Seinen anscheinend vorher gefassten Plan führt Maurice W. dann auch aus: Erst schüttet er dem Mädchen das kochend heiße Wasser ins Gesicht, dann sticht er mehrmals mit einem Messer auf sein Opfer ein. Stefanie M. schafft es mit letzter Kraft, weitere Angriffe abzuwehren. „Ihr gelang es sogar, dem Täter das Messer abzunehmen“, sagt Hoffmann. Stefanie schleppt sich mit ihren Verletzungen durch den Vorgarten auf die Straße, wo sie zusammenbricht. Dass Maurice W. flüchtet, können seine Eltern, die auch im Haus sind, nicht verhindern. „Sein Vater ist sogar noch ein ganzes Stück hinter ihm hergelaufen“, sagt die Polizei.

Stefanie M. konnten die Ärzte im Krankenhaus durch eine Notoperation retten. „Sie ist außer Lebensgefahr“, sagt ihr Vater Dirk. Ganz kurz habe er mit ihr sprechen können im Krankenhaus. „Sie hat Verbrennungen im Gesicht und an der Schulter. Aber die Ärzte sind bislang guter Dinge, dass alles wieder in Ordnung kommt. In die Hand können die es einem natürlich nicht versprechen.“

In der Nachbarschaft wird Maurice W. als „eher unauffällig“ beschrieben. Nur mit den Eltern hätten einige Nachbarn hin und wieder Streit gehabt: Weil sie sich beschwert hätten, wenn fremde Autos vor ihrer Auffahrt parkten. Aber den Sohn hätten sie als „ganz normalen jungen Mann“ kennen gelernt. Das dachte Stefanies Vater auch. Maurice W. sei auch mehrfach in seiner Wohnung zu Besuch gewesen. „Ich glaube, der Junge hat Hilfe nötig“, sagt der Vater über den Ex-Freund seiner Tochter. Mit bis zu zehn Jahren Haft müsse der 19-Jährige rechnen, wenn er gefasst wird, sagt Mordkommissionsleiter Hoffmann.

Maurice W. ist 1,80 Meter groß und schlank. Er hat schwarze, kurze Haare und trug zur Tatzeit Jeans und ein blaues Hemd mit Blumenmotiven. Hinweise nimmt die 5. Mordkommission (Tel.4664 327 151) und jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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