Berlin : Von Mördern und Falschgeldhändlern

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Die düsterste Ecke von Lichtenberg, wenn nicht gar von ganz Berlin, ist das alte Stellwerk am Bahnhof Rummelsburg. An der Bahnstrecke spielten sich vor sechzig Jahren grausame Morde ab. Ein Tourist würde freiwillig nicht in dieser Gegend spazierengehen. Doch einige Unerschrockene sind mit Taschenlampen an den Gleisen unterwegs auf den Spuren des S-Bahnmörders. Sie schauen hinauf zu dem verlassenen Turm, in dem der Weichenwärter Paul Ogorzow seinen Dienst tat, bis er 1941 überführt wurde: „Acht vollendete, sechs versuchte Morde und dreißig Sittlichkeitsverbrechen gehen auf seine Kappe“, zählt Stadtführer Armin A. Woy auf. Der Historiker hat gemeinsam mit Jan Feustel die neue „Krimi-Tour Berlin - Spektakuläre Kriminalfälle der Stadt“ des Vereins „pluspunkt“ ausgearbeitet.

Von „Luden und Tillen“ - in der Gaunersprache Zuhälter und Prostituierte - handeln die Lieder der Ringvereine mit so harmlosen n wie „Immertreu“ oder „Süd-Ost“, die früher das Territorium östlich des Alexanderplatzes und Kreuzberg beherrschten. An ihren Kneipen führt die Stadtrundfahrt vorbei. Weiter geht es auf Schleichwegen zum Schlesischen Bahnhof (heute Ostbahnhof), vorbei an den Fundorten zerstückelter Leichen. Viele der Morde, die die Handschrift des Serienmörders Karl Großmann trugen, blieben „Nasse Fische“ - ungelöste Fälle im Polizistenjargon. Der Schlächtergehilfe war nicht in allen Fällen geständig.

Auch ins „Kippermillieu“ begibt sich der Bus. Unter den Falschgeldhändlern des Alexanderplatztes war Werner Gladow groß geworden. Woy zeigt das heute freundlich gestrichene Haus in der Samariterstraße, vor dem der „Al Carpone“ von Berlin 1949 nach einer Schießerei festgenommen wurde.

In drei Stunden legt der Bus eine Strecke von 470 Jahren Kriminalgeschichte zurück. Die Fälle reichen von Hans Kohlhase, der 1532 am Frankfurter Tor gerädert wurde, bis zu Erich Mielke, der 1993 für den Mord an Polizisten von 1931 verurteilt wurde. ulg

Die nächste Krimitour startet am 15. Juni um 14 Uhr am Treffpunkt: Leipziger Platz (Südseite). Für Gruppen können zusätzliche Termine vereinbart werden. Telefon: 774 40 81

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