Berlin : Von Polizeiautos umstellt

In der Walpurgisnacht hatten die Beamten die Randalierer schnell im Griff

Jörn Hasselmann

Die Stimmung auf dem Boxhagener Platz kippte am späten Samstagabend – aber nur für kurze Zeit. Bis 22.30 Uhr war die Walpurgisnachtfeier in Friedrichshain friedlich verlaufen. Dann kam es doch noch zu einer kurzen, heftigen Auseinandersetzung zwischen Randalierern und Polizisten. Davor und danach hatten die Beamten die Lage im Griff – mit Hilfe einer Reihe strategischer Maßnahmen. Der Sinn des totalen Halteverbots im Umkreis wurde schon am Nachmittag klar. Nach und nach rollten 100 Polizeiautos zum Boxhagener Platz und umstellten ihn regelrecht. Fast jede Parkfläche wurde von grün-weißen Autos beansprucht.

Nur in der Grünberger Straße, die den Platz nördlich begrenzt, durften 1000 Feiernde, darunter viele Punks und Autonome, Bier trinken und Bands lauschen. Die frisch sanierte Grünanlage war tabu, dort waren Flutlichtmasten aufgestellt, Hundeführer patrouillierten. Doch was würde geschehen, wenn das Konzert um 22 Uhr zu Ende geht, wie viele Rädelsführer sind da, wie betrunken und enthemmt ist die Masse? Mit Skepsis wurde gesehen, dass in der Menge mehrere Dutzend aus den Vorjahren polizeibekannte gewaltbereite Autonome waren. Die Polizei wagte bis in den Abend hinein keine Prognose über den Verlauf der Nacht. Eine halbe Stunde nach Konzert-Ende flogen dann einige Dutzend Flaschen, wenige Steine und ein halbes Dutzend Kanonenschläge – doch das war es dann auch. „Das war Geplänkel“, sagte ein leitender Beamter, „ein voller Erfolg für uns.“ Kein Wasserwerfereinsatz, ein beschädigtes Polizeiauto, so gut wie keine Verletzten.

Die Präsenz der 4080 eingesetzten Beamten hatte verhindert, dass sich die Randalierer formieren konnten, schon Minuten später hatten behelmte Bereitschaftspolizisten die Kreuzung, Grünberger Ecke Gabriel-Max-Straße geräumt, langsam begannen sie, die Menschen abzudrängen, weg vom Boxhagener Platz.

Ein Erfolg auch der Prävention am Nachmittag. Alle Besucher wurden durchsucht, Flaschen und Dosen sollten nicht auf den Platz. Zum zweiten Mal galt in dieser Nacht ein Flaschenverbot. Zu schlecht waren die Erfahrungen der Vorjahre. So war in der Walpurgisnacht 2003 fünf Minuten vor Mitternacht ein Hagel von Flaschen am Mauerpark auf die Polizei niedergegangen. Mittlerweile haben sich die Feiernden daran gewöhnt, ihr Bier in Plastikflaschen und Becher umzufüllen. Später ging die Polizei durch das Fest und sammelte Flaschen ein, die durch die Kontrollen geschmuggelt worden waren.

Dies geschah auch im Mauerpark, dort blieb es in diesem Jahr friedlich. Die Krawallmacher hatten sich stattdessen am Boxhagener Platz gesammelt. In den Vorjahren hatte dort ein umgestürztes und angezündetes Auto gereicht, um die Masse anzustacheln. In diesem Jahr waren nicht einmal Müllcontainer aus Plastik in Reichweite. Als gegen 23 Uhr ein Pappkarton auf der Grünberger Straße brannte, dauerte es Sekunden, bis Polizisten die Flammen austraten.

„Wir lernen jedes Jahr dazu“, sagte ein Polizist, „die Autonomen arbeiten seit Jahren mit der gleichen Taktik.“ Kompromisslos nahmen Spezialtrupps Krawallmacher fest. Kurz nach den ersten – von Videoteams dokumentierten – Flaschenwürfen wurden die ersten Krawallsucher aus der Menge geholt. Insgesamt nahm die Polizei 65 Personen fest. Gegen 46 Störer wurden so genannte qualifizierte Platzverweise ausgesprochen. Das heißt, sie durften am 1. Mai nicht nach Kreuzberg.

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