Berlin : Von Tag zu Tag: Alle Tage wieder

Andreas Conrad

Heinrich Böll hatte Recht: Weihnachten findet viel zu selten statt. Diese Hektik kurz vor der Bescherung, angeheizt dadurch, dass uns nur ein Heiligabend pro Jahr zugebilligt wird - wie soll man da erhabene Gefühle entwickeln und sich an Apfel, Nuss und Mandelkern, an Christbaumkugeln, Kerzen und Lametta ergötzen? Weihnachten am laufenden Band dagegen - eine vortreffliche Idee.

Der Vorschlag des CDU-Bundestagsabgeordneten Siegfried Helias hat aber auch einiges für sich. Helias, das ist der, dem Wowereits legendäres "Und das ist gut so" so überaus gefiel, dass er den Spruch beim Patentamt als Wortmarke angemeldet hat. Heiligabend als deutscher Festtag mit der größten Symbolkraft möge zum Feiertag erhoben werden, wirft er nun in die Runde und meint das gut christlich. Leider erheben sich einige Fragen, manche lässt der fürsorgliche Abgeordnete offen, und das ist nicht gut so. Man könnte ja tauschen, rät er. Statt 25./26. Dezember gäbe es dann am 24./25. frei. Oder gar vom 24. bis 26., unter gleichzeitigem Wegfall des Pfingstmontags.

Das ist mit Rücksicht auf die Volkswirtschaft nur strikt abzulehnen. Was wird aus dem ohnehin gebeutelten Einzelhandel, wenn die letzten Stunden vor dem Fest verloren gehen, diese Galgenfrist zum Lückenschließen auf dem Gabentisch? Und sofern es darauf schon nicht mehr ankommt: Warum nicht gleich Weihnachten mit Ostern zusammenlegen, als Aufforderung zu gleich doppelter Besinnlichkeit? Ansätze gibt es schon, zum Beispiel in der Postfiliale Lietzenburger Straße, wo ein Kunde Anfang Dezember ein Pack-Set mit Weihnachtsmotiv verlangte. Hatte man leider nicht vorrätig, doch es gab Ersatz: ein Paket mit Osterhase.

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