Berlin : Von Tag zu Tag: Denk mal wieder

Andreas Conrad

Was schenkt der Neu-Berliner zu Weihnachten? Bildbände, die morgen veraltet sind? Mauerstückchen? Aber die müssten doch bald alle sein. Was also schenkt man?

Die Stadt sei ebenso aufregend wie aufreibend, heißt es unter Neuzugängen meist. Ersteres legt sich bei Gewöhnung, gegen den Stress sollte man mental trainieren. Nein, jetzt nicht diese Zeilen auswendig lernen, aber etwas memorieren kann nicht schaden.

Ja, wir empfehlen Memory. Kennen Sie noch aus Ihrer Kindheit: Aus einer Ansammlung umgekehrter Spielkarten jeweils zwei identische benennen. Hat man Recht, darf man gleich noch mal, wer zuletzt die meisten Doppelkarten hat, ist Sieger.

Ein schlichtes Vergnügen, so scheint es, die Memory-Enthusiasten, die sogar Wettbewerbe untereinander austragen, werden freilich anderer Meinung sein. Die Berliner Lokalpatrioten unter ihnen können aus ihrer Leidenschaft jetzt gleich zweifach Befriedigung ziehen, seit kurzem gibt es "City Memo - Das Berlin Spiel": 30 Doppelkarten mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, Berlin für Anfänger also, aber nicht sehr gewitzte. Das gilt besonders für das Begleitheft, denn der pfiffige Spieler wird bald ins Grübeln geraten, warum Berlin schon 1987 sein 750-jähriges Stadtjubiläum feierte, während es doch erst 1244 urkundlich erwähnt wurde. Und auch die (gleichfalls korrekte) Information, dass das Sühnekreuz neben der Marienkirche dort erst seit 1726 an den immerhin schon 1325 ermordeten Probst Nikolaus von Bernau erinnert, wird zumindest verdutzen.

Völlig perplex aber macht das Kartendoppel Nr. 10, das als Berliner Sehenswürdigkeit überraschend die Landesvertretung von Baden-Württemberg preist. Auch das klärt sich auf, wenn man beim Blättern im Begleitheft auf den Sitz der Firma Bräuer Produktmanagement stößt, die das Berlin-Memory für 19,90 Mark rechtzeitig zu Weihnachten auf den Markt geworfen hat: Stuttgart.

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