Von Tag zu Tag : Fehlgefördert

Ulrich Zawatka-Gerlach beklagt den Personalmangel bei den Finanzämtern

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Ein kleines bisschen Schummeln bei der Steuererklärung ist nicht nur in Deutschland ein traditionsreicher Volkssport. Angesichts der Gerechtigkeitslücke, die jedes Steuersystem quasi automatisch bei den weniger gut betuchten Bürgern hinterlässt, wundert dies nicht. Ja, es ist sogar in gewissem Rahmen menschlich verständlich, wenn auch politisch und juristisch inkorrekt. Längst ist es aber so, dass im sportlichen Wettlauf zwischen amtlichen Steuereintreibern und privaten Hinterziehern die Berliner Finanzämter das Nachsehen haben, weil das Personal fehlt, um penibel zu kontrollieren. Es wird dann nur noch „überschlägig“ geprüft. Was eigentlich heißt: Es wird nicht so genau hingeschaut. Inzwischen entscheidet sogar die EDV-Maschine, ob und wo der Finanzbeamte noch prüfen darf. Das verschafft jenen einen klaren Vorteil, die sich einen besonders cleveren Steuerberater oder ein größeres Team trickreicher Finanzer leisten können.

Von der Imbissbude, die im Durchschnitt alle 120 Jahre vom Finanzamt besucht wird, wollen wir gar nicht reden. Es sind vor allem die mittleren und großen Betriebe, die davon profitieren, dass der Steuerprüfer nur noch alle Jubeljahre vorbeischaut. Gelegentlich wird dieser personelle Mangel ja schon als eine besonders raffinierte Form der Wirtschaftsförderung verkauft. (Seite 8)

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