Berlin : Von Tag zu Tag: Fleisch-Politik 1740

Ekkehard Schwerk

In Berlin ist alles noch so Neue immer schon mal dagewesen. Um dem kindischen Preußenbild waffenstarrender Räuberei zur Abwechslung mal was Vernünftiges hinzuzusetzen, wollen wir vom Fleisch sprechen, vom sowohl bekömmlichen wie wohlfeilen Fleisch und staatlichem Verbraucherschutz vor 260 Jahren in Berlin. Eine Leserin lenkte unser Interesse auf ein Buch von Ernst Consentius "Alt Berlin Anno 1740".

Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

Friedrich II. hatte den Thron bestiegen, Fleisch war knapp, und die Fleischer wollten daraus für sich einen Reibach machen. Vater Staat durchkreuzte dieses Trachten mit wöchentlich festgesetzten Taxen. Die Fleischer wurden obendrein verpflichtet, "Stücken, oder sogenannte Beylagen", also weniger wertvolles Fleisch, gesondert auszulegen und billig zu verkaufen. Versuchten sie, solche "Beylagen" dem Kunden mit dem teuren Fleisch unterzujubeln, hatten sie hohe Geldstrafen zu gewärtigen. Schlächter bildeten eine geschlossene Innung. Und in dieser Gesellschaft mauschelten sie gern künstliche Knappheit an Schlachtvieh aus, um die Preise hochzutreiben. Auch da schritten die preußischen Behörden ein, indem sie es den "fremden" Schlächtern - "Bürgern und Landleuten aus Städten und Dörfern, Juden und Christen" erlaubten, Fleisch in die Residenz zu bringen und dort zu verkaufen. Jedoch war der Nachweis Pflicht, "daß das geschlachtete Vieh rein und gesund gewesen".

Die Konkurrenz wurde gestattet. Die amtliche Fleischtaxe markierte die Obergrenze, konnte unterschritten werden. Verbraucherschutz vor Preistreiberei anno 1741.

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