Berlin : Von Tag zu Tag: Furchtlose Spender

Lorenz Maroldt

Am Valentinstag war die CDU-Spendenaffäre für Rupert Scholz "lückenlos und abschließend aufgeklärt". Da lag dem Bundestagsabgeordneten und stellvertretenden CDU-Landesvorsitzenden der Zwischenbericht zur Affäre vor. Kann sein, dass am Text manipuliert, dass Scholz hereingelegt wurde. Jedenfalls waren am 14. Februar Übergabe und Verwendung der Spenden weder lückenlos noch abschließend aufgeklärt.

Es kann dem Regierenden Bürgermeister niemand vorwerfen, dass er zur fraglichen Zeit, 1996, treuhänderischer Gesellschafter eines CDU-Verlages war, der von den Spenden profitierte. Das musste er nicht wissen. Nur gehören diese Informationen zu einer lückenlosen Klärung. Jetzt wird gerätselt, warum das verschwiegen wurde. Da hat Rupert Scholz seinem alten Freund Diepgen einen Bärendienst erwiesen. Fragt sich nur, ob versehentlich - oder absichtlich. Es ist auch erwähnenswert, dass Rechtsanwalt Peter Heers, der den Spendenfall prüft, heute auch als treuhänderischer Gesellschafter bei eben jenem Verlag zeichnet.

Bisher hat auch niemand Folgendes erklären können: Zwei Spender, die sagen, dass sie eine Spendenquittung nicht brauchten und der Veröffentlichung ihrer Namen in diesem Zusammenhang jederzeit zugestimmt hätten, machen sich die Mühe, vierzigtausend Mark in bar abzuheben oder aus ihrem Tresor zu nehmen. Einer von ihnen packt das Geld nicht in einen, sondern in zwei Umschläge und kutschiert die Tausender an allen Taschendieben vorbei durch die Stadt, um sie Klaus Landowsky persönlich zu übergeben - in seinem Büro bei der Bank, von der sie einen 600-Millionen-Mark-Kredit haben wollten. Warum haben sie ihre Spende nicht einfach überwiesen?

Das soll Rupert Scholz mal erklären. Er muss es wissen. Für ihn ist der Fall ja lückenlos und abschließend aufgeklärt.

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