Berlin : Von Tag zu Tag: Hattu Hasen?

Andreas Conrad

Kennen Sie den noch? Kommt ein Hase zum Metzger: "Hattu Möhren?" Was dieser verneint. Wenig später taucht Langohr wieder auf, gleiche Frage, gleiche Antwort. Das geht so eine ganze Weile, dann wird es dem Meister - sein Beruf tut eigentlich nichts zur Sache - zu bunt, und er hängt ein Schild auf: "Möhren ausverkauft!" Wenig später erneut der Hase, entrüstet baut er sich im Laden auf: "Hattu doch Möhren gehabt!"

Wenn die Erinnerung nicht trügt, hatten Häschenwitze die Blödeleien über Ossis - die im Nordwesten, nicht die im Osten - abgelöst. Mittlerweile freilich ist der Hase als Witzobjekt eine fast ausgerottete Gattung. "Hattu Möhren?" - darüber kann heute kaum noch einer lachen. Meister Lampe übrigens am allerwenigsten, aber er hat in den modernen Zeiten - Rote Liste! - ohnehin nur wenig zu kichern.

Das ist bekannt, nur, wie düster es um ihn steht, ist mal wieder Ansichtssache. Hasenbestand auf absehbare Zukunft gesichert - so freut man sich in der Brandenburger Landesforstanstalt. 90 000 Feldhasen hoppeln durch die Mark, das bedeute immerhin "Stabilisierung auf niedrigem Niveau", obwohl der Hase den Sandboden gar nicht möge. Aus der Berliner Distanz freilich erscheint die Lage vergleichsweise düster. Sogar die zahllosen Osterhasen, die derzeit die Schaufenster bevölkern, erwiesen sich bei genauem Hinschauen als schnöde Karnickel, erging jetzt ein Warnruf aus dem Tierheim Lankwitz: Die Ohren zu kurz, die Augen nicht seitlich wie beim klassischen Langohr. Und überhaupt sei es schwieriger, einen leibhaftigen Feldhasen zu sehen als einen Löwen oder Tiger im Zoo. Kein Wunder: Wenn sich die Berliner Tiger vermehren wie Karnickel ...

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben