Berlin : Von Tag zu Tag: Hot Dog

Ingo Bach

Schweißgemüffel im Nerzmantel riecht man gar nicht gern. Auch die durchgeschwitzte Fuchsstola und der klatschnasse Muff sorgen eher für Ekelgefühle als für Streicheleinheiten. Und genau deshalb käme kein normaler Mensch auf die Idee, bei dem Wetter Pelz zu tragen.

Hundeliebhaber dagegen sind anders: Sie haben auch bei diesem Wetter ihren Pelz bei sich, sie schleppen ihn an der Leine mit sich herum, quetschen ihn unter den S-Bahnsitz oder schleifen ihn hinter dem Fahrrad her. Wahrscheinlich ist das auch der Grund dafür, warum die Evolution den Hunden Schweißdrüsen vorenthielt: es sieht einfach nicht gut aus. Die Natur liefert des Berliners liebstes Tier serienmäßig mit Antitranspiranz ausgestattet.

Eine Klimaanlage haben sie trotzdem: Sie lassen die Zunge hängen. Und so kommen Hunde mit ihren Herrchen und Frauchen ganz schön ins Schwitzen, pardon, ins Hecheln. Tierquälerei sei das, schimpft man im Tierheim Lankwitz, bei dem Wetter den Hund neben dem Fahrrad her zu treiben, ihn gar im Auto zurückzulassen, wo Backofentemperaturen aus dem Vierbeiner kurzerhand einen Hot Dog machen.

Pelzmodenschauen um die Mittagszeit sind bei den Tierschützern ebenso verpönt. "Lange Spaziergänge" mit den Hunden sollten nur "in den kühleren Morgenstunden oder späten Abendstunden" stattfinden, rät das Tierheim. Am besten aber, man spendiere dem Tier das nasse Vergnügen, an einer Hundebadestelle herumzutollen. Doch da sind wir wieder beim Ausgangspunkt: Ein klatschnasses Fell sieht nicht gut aus. Schließlich gehört die Stola ja auch nicht in die Waschmaschine. Also machen es die vernünftigen Hundehalter, wie die meisten normalen Leute: Sie lassen ihren Pelz zu Hause - oder wie es das Tierheim empfiehlt: "Lassen Sie den Hund einen faulen Hund sein!"

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