Berlin : Von Tag zu Tag: Illuminiert

Ekkehard Schwerk

Das Weihnachtsfest 2000 wird in Berlin von geradezu innovativer Leuchtkraft sein. Und zwar von den herbeigeschafften Großbäumen. Das Senatspresseamt hat kieksiger Laune gestern ein "Prachtexemplar mit vielen schönen Ästen und Nadeln dran" annonciert. Der Baum wird vorm Roten Rathaus, stramm stehen. Heute wird Eberhard Diepgen die "Erstillumination", nicht das Anzünden vornehmen, womit das Presseamt vermeiden will, dass Brandstifter unter den biederen Bürgern zur Untat ermuntert würden. Und der Baum ist natürlich eine Stiftung und zwar der Bürger von Dornbirn, gelegen in Vorarlberg. Von dannen wird auch zur Aufrichtung des Prachtstückes eine Musi kommen, die dem Regierenden den Marsch bläst, wenn er "erstilluminiert".

Was ist schon ein Baum mit richtigen Ästen und echten Nadeln wert, wenn er nicht erleuchtet wird nach den neuesten Illuminationsinnovationen, welche die allerneuesten "Anwendungsfelder abdecken" und was natürlich gesponsert wird von einem österreichischen Illuminationsvorreiter. Er stiftet mit Waschzettel. Kein Baum für Berlin ohne Sponsoring. Die Österreicher aus Dornbirn wissen schon, wo die Hauptstadt der Deutschen schlägt.

Und die Pressestelle des Senats schreibt den Waschzettel der Sponsoren in kieksiger Laune ab. Darin kommt die "Lichtanwendung je 150 W HIT in der Ausführung IP 45 mit sechs Faserbündeln mit je 81 Einzelfasern je 5 mm Durchmesser in Längen von ..." einleuchtend vor. Und der Knalleffekt ist ein an jedem Zweigende herabbaumelndes Geleuchte, was wie selbstleuchtendes Lametta aussehen soll - in verschiedensten Farben. Nur nichts vom Vorarlberger Baum sehen lassen.

Einer aus dem norwegischen Städtchen Drobak wird am 3. Dezember auf dem Pariser Platz aufgestellt und "nur" mit Glühbirnen bestückt. Dies warme Licht wird uns Rut Brandt mit Botschafter Morten Wetland anstecken.

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