Berlin : Von Tag zu Tag: Krawall-Kunst

Holger Wild

Keine Lust auf Knüppel auf den Kopf? Oder auch Steine auf den Schädel? Und trotzdem was mitkriegen wollen von der jährlichen Räuber-und-Gendarm-Freiluftaufführung in Kreuzberg? Dann gehen Sie - in die Auguststraße.

Moment. In die Auguststraße? Da laufen zwar erfahrungsgemäß auch eine Menge Schwarzgekleideter herum, aber eher im Anzug als in Lederkluft. Und die Kunst, die sie hier handeln oder erwerben, ist doch vom Maienspektakel in SO 36 weiter weg als die August- von der Oranienstraße?!

Ja. Doch die Randale wird übertragen. Über Web-Cams und mit Live-Kommentar in die Auguststraße Nr. 20. Da sitzt die "Leitzentrale" des Projekts "kampfbereit". Dort wird alles koordiniert, und da sitzen dann auch Sie. Bei Kaffee und Kuchen. Ehrlich.

Möglicherweise ist es auf der Oranienstraße aber doch lustiger. Von zwei bis vier am Nachmittag (also zu einer Zeit, wo das Remmi und Demmi vielleicht mal nicht so arg ist) - können Sie da Küssen auf Befehl erleben. Können stumme Menschen in Blaumännern und blauen Schildern schweigen hören. Können eine Gruppe von Asiaten sehen, die alle einen Fotoapparat dabei haben. Und von Podesten aus werden Polizeianweisungen und Flugblatt-Texte vorgetragen. 50 Kunstaktivisten werden im Einsatz sein.

Der alte Traum der Avantgarden, den Unterschied aufzuheben zwischen Kunst und Leben - hier könnte er Wirklichkeit werden: Wenn die Künstler sich eine blutige Nase holen.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben