Von Tag zu Tag : Mythenpflege

Werner van Bebber hat nichts gegen ein Umdenken in Mediaspree.

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Was sich da am Spreeufer anbahnt, hat kultur-revolutionäre Züge: Ein Immobilienverkauf, bei dem das Nutzerkonzept wichtiger ist als der Preis – das hat Charme, zumal in dem Bezirk, der wie kein anderer in Berlin seit dem Mauerfall von den Kräften der Marktwirtschaft und des touristischen Erlebnishungers verformt worden ist. Darum geht es beim Verkauf des BSR- Grundstücks an der Spree: Um maximalen Ertrag (darauf muss die BSR achten) oder um „Stadtrendite“ – ein anderes Wort für Milieupflege, Förderung halb subkultureller, jedenfalls nach Kreuzberg-Friedrichshain passender Lebens- und Ökonomie-Modelle. Gewiss hat das Konzept der Kater-Holzig-Leute, das für „Stadtrendite“ steht, infantile Züge. „Möhrchengarten“, Dorfstrukturen in der Stadt, alles auf Bio und Öko – das ist die Suche nach dem perfekten Idyll mitten in der Metropole, einschließlich Wasserlage. Und doch hat das Denken in anderen als rein finanziellen Renditemodellen Anerkennung verdient, auch die Anerkennung des Senats. Berlin lebt mehr denn je von seinen Mythen, es zehrt davon. Die Szene in Kreuzberg und Friedrichshain ist eine der stärksten davon.

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