Berlin : Von Tag zu Tag: Noch vier Tage

Gerd Nowakowski

Zum Thema Online Spezial: Das Ende der Großen Koalition
Anfang vom Ende: Die Finanzkrise in Berlin
TED: Soll der Regierende Bürgermeister direkt gewählt werden?
Fototour: Die Bilder der Krise In der CDU wartet man darauf, wie sich Eberhard Diepgen entscheidet - und Diepgen wartet darauf, welche Signale ihm die Berliner Union gibt. Noch einmal Spitzenkandidat für Neuwahlen, noch einmal die Lokomotive sein für die Partei? Das muss der Langstreckler der Berliner Politik entscheiden. Hätte es bei den Wahlen 1995 oder 1999 eine Direktwahl des Regierenden Bürgermeisters gegeben, wie es gestern ins Spiel gebracht wurde, dann wäre der CDU die absolute Mehrheit sicher gewesen. Der Landesvater lag immer weit vor seiner Partei. Vorbei? Sechzehn Jahre lang im Amt - das hat vor Diepgen keiner geschafft. Am kommenden Sonnabend soll ein Misstrauensvotum ihn stürzen. Die Stadt muss sich erst daran gewöhnen. Wir erinnern daran, woran Diepgen sich erinnern wird.

Der 2. Dezember 1990, das war ein Wahlabend, wie ihn Eberhard Diepgen ersehnt hatte. Nicht nur ein rauschender Sieg mit mehr als 40 Prozent der Stimmen, nein, eine Genugtuung. Eineinhalb Jahre lang hatte die rot-grüne Koalition mit Walter Momper an der Spitze regiert. Der Mauerfall hatte den Mann mit dem roten Schal weltweit bekannt gemacht - und Diepgen stand im Abseits. Völlig unvorbereitet hatte Diepgen die Wahlniederlage Anfang 1989 getroffen, die eine späte Quittung war für die Verwicklung der CDU in den Bestechungssumpf der Antes-Affäre. Am 2. Dezember 1990 begann das zweite politische Leben des Eberhard Diepgen. Mehr als zehn Jahre als Regierender Bürgermeister sollten folgen. "Wie macht der das bloß?" fragte der Tagesspiegel Ende Januar 2001 nach dem Erfolgsrezept des Unangefochtenen im Roten Rathaus. Drei Wochen später gab es die ersten Hinweise auf illegale Spenden an den Diepgen-Freund Landowsky.

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