Von Tag zu Tag : Nur geliehen

Bernd Matthies erforscht die Gedanken der Geldautomatendiebe.

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Zwei quatschen, einer schuftet. Gemein. Und dabei wurden sie auch noch im Bahnhof Alexanderplatz gefilmt.Foto: Polizei
Zwei quatschen, einer schuftet. Gemein. Und dabei wurden sie auch noch im Bahnhof Alexanderplatz gefilmt.Foto: Polizei

Kenner nennen so etwas eine Doku-Soap. Ganoven bei der Arbeit zuschauen, beobachten, wie sie stemmen und wuchten und mit dem Geldautomaten verschwinden, das gab es so unmittelbar und lebensecht noch nicht zu sehen. Und das Aufschneiden liegt noch vor ihnen! So viel Arbeit, legal geleistet, würde den Tätern anständigen Lohn einbringen. Warum also das Ganze?

Womöglich handelt es sich um ein tragisches Missverständnis. Die Täter sind fremd im deutschen Sprachraum, kennen sich mit dem Konzept des Geldautomaten nicht aus, haben womöglich auch einfach nur die Geheimzahl vergessen. Doch der Geldmangel drückt, sie wissen sich nicht anders zu helfen, besorgen sich einen Transporter, leihen sich letzten Endes auch den Automaten aus, wie man sich ein Buch ausleiht.

Dass sie all dies unangefochten in der Öffentlichkeit tun, zeigt den großen Respekt, den man in Berlin vor Handwerkern hat. Die haben immer Vorfahrt. Und nun sind die Jungs sogar im Fernsehen, das ist ein schöner Erfolg für ihr Konzept. Nur sollten sie die Automaten zurückbringen und nicht in den Kanal werfen.

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