Berlin : Von Tag zu Tag: Pionier aus Mikronesien

Stephan Wiehler

Das globale Dorf Berlin ist wieder ein bisschen weltstädtischer geworden. Gestern kabelte uns die Nachrichtenagentur ddp, dass hier zurzeit mehr als 435 000 Ausländer aus 185 Staaten leben und berief sich auf Angaben des Statistischen Landesamtes, nach denen Ende vergangenen Jahres "im Unterschied zum Vorjahr auch wieder Bewohner des Inselstaates Mikronesien mit einer Hauptwohnung gemeldet" gewesen seien. Mit dem Plural hat ddp etwas übertrieben. Genau genommen ist es nämlich nur ein einziger Mikronesier, der seinen Wohnsitz nach Berlin verlegt hat. Über den einsamen Fremden aus dem fernen pazifischen Inselreich, der irgendwo in dieser Stadt ein Zuhause gefunden hat, ist aus Gründen des Datenschutzes wenig zu erfahren. Was mag ihn wohl von den Palmenstränden zwischen Hawaii und den Philippinen zu uns verschlagen haben? Hat er die Sonne nicht mehr vertragen? Treibt er Handel oder ethnische Studien über das Stammesleben der Berliner? Vielleicht hat ihm hier auch ein Urgroßonkel was vererbt. Entfernte Verwandte in Deutschland dürfte der ein oder andere Bewohner der 2000 Inseln und Atolle schon haben: Mikronesien war schließlich von 1884 bis 1914 deutsches Schutzgebiet. Wie auch immer, lieber Mensch aus Mikronesien, falls Sie nicht schon wieder das Weite gesucht haben, heißen wir Sie als Neuberliner herzlich willkommen. Und sollten Sie anfangs noch Heimweh haben, so ganz allein in Berlin, dann mag Sie trösten, dass Sie hier nicht der einzige versprengte Exot sind. Auch aus den Staaten St. Kitts und Nevis, Antigua und Barbuda, aus Brunai, aus Bahrain und aus Vanuatu hat sich bislang jeweils nur ein einziger Pionier zu uns vorgewagt.

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