Berlin : Von Tag zu Tag: Rauchen gegen Blasen

Stephan Wiehler

Das Leben ist eine Baustelle, auf der wir nicht selten die Erfahrung machen, dass von den schönen Traumhäusern unserer Phantasie, sobald wir sie zu steinerner Wirklichkeit werden lassen, nichts als Bruchbuden übrig bleiben. Der Weg zum Eigenheim ist glitschig, benetzt von Schweiß und Tränen: Am Anfang der Traum von den eigenen vier Wänden, beflügelt von den Versprechungen der Bausparkassen ("Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause") und den Visionen der Architekten, belastet von Hypotheken und dem Kauf etlicher Kisten Bier, um unwillige Bautrupps und Handwerker gefügig zu machen. Und am Ende sitzen wir da, hochverschuldet hinter undichten Fenstern, durch die der Wind sein Hohnlied pfeift. Da geht es dem kleinsten Häuslebauer nicht anders als den mächtigsten Bauherren.

Das muss unser Bundeskanzler Gerhard Schröder jetzt erfahren. Knapp vier Wochen nach dem Einzug ins neue Kanzleramt zeigt sich schon der Schmu am Millionenbau. In den beiden Kabinettsälen und im großen Bankettsaal hebt sich der teure Teppichboden und wirft hässliche Wellen und Blasen. Schuld daran soll die supermoderne Klimaanlage sein, die Frischluft durch den Boden bläst. Der Belag ist offenbar zu wenig durchlässig, die Luft staut sich und löst den Teppich. Ein Teil der 7000 Quadratmeter Florware müssen ersetzt werden - natürlich soll das die Firma bezahlen, die das Material beschafft und verlegt hat. Immerhin: Der Teppich im Büro des Kanzlers regt sich noch nicht. Gegen den Zigarrendampf hat die Frischluft vermutlich keine Chance. Vielleicht lässt sich der Pfusch durch Rauchzwang in allen Räumen beheben.

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