Von Tag zu Tag : Schlaf, Igel, schlaf

Stefan Jacobs warnt vor leichtfertigen Frühlingsgefühlen.

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Vor Südfassaden sprießen Schneeglöckchen, im Grunewald schleppen sich die Kröten zur Paarung wie einst im holden Mai, und bald explodieren die Wildschweine – rein zahlenmäßig. Ja, es gibt schon erste Berichte über den „falschen Frühling“, der die Fauna balzen lässt, dass die Schwarte kracht.

Mag sein, dass manchem Schwan das Herz aufgeht, wenn nach dem insgesamt sogar etwas zu kalt geratenen Dezember das Wasser jetzt im Januar nicht mehr ganz so eisig um den Bauch schwappt. Auch tun von Passanten geworfene Brotstücke vermutlich weniger weh, wenn sie nicht gefroren sind. Aber Frühling? „Mit der steigenden Lichtintensität werden insbesondere bei Naturvölkern vermehrt Serotonin und Dopamin ausgeschüttet. Diese sorgen für ein allgemein besseres Befinden und bewirken eine leichte Euphorie“, heißt es bei Wikipedia zum Thema Frühling.

Von einer sieben Grad kalten grauen Soße steht da nichts. Zumal sie allmählich kälter wird, wie Marcus Bolljahn vom Wetterdienst Meteogroup weiß. Anfang nächster Woche sei sogar leichter Dauerfrost mit Schnee möglich. Und im vorigen Jahr wurde es auch erst Ende Januar kalt – saukalt, um genau zu sein. Also: Legt euch schleunigst wieder hin, ihr Igel, ladet die Männer ab, ihr Krötinnen, freut euch nicht zu früh, ihr Schweine! Und zieht euch warm an, Leute.