Berlin : Von Tag zu Tag: Schnapsidee

Stephan Wiehler

Wer hätte das gedacht? Die Hochzeit des Karnevals hat auch die angeblich so fasnachtsfaulen Berliner am Wochenende mit Heiterkeit und Frohsinn angesteckt. Tausende Narren zogen mit Täterä durch die Mitte, mehr als 100 000 Berliner säumten die Kamellen-Parade. Und selbst die Polizei kam am Sonnabend und Sonntag in Fasnachtsstimmung - ganz nach eigenem Brauch und ohne Jokus. Knapp 900 Beamte rückten in Berlin mit Kellen, Pusteröhrchen und amtlich grüner Verkleidung zu Verkehrskontrollen aus, um alkoholisierten oder anderweitig berauschten Narren das Autofahren zu verleiden. 5752 Autofahrer winkten sie an den Straßenrand, sahen ihnen prüfend in die Augen, bevor sie 254 Alkoholtests machten (Rekordergebnis: 3,28 Promille) und 19 Führerscheine einbehielten. Wer sich dagegen Samstagnacht im Reinickendorfer "Irish Pub" und im "Pflaumenbaum" vollaufen ließ, brauchte erst gar nicht ins Auto zu steigen, um die Polizei zu treffen. Gleich draußen vor den Türen in der Scharnweberstraße warteten Polizeibeamte mit einem "Infomobil" auf, in dem sie über die Gefahren von Alkohol und Drogen im Straßenverkehr aufklärten. Als Anschauungsobjekt gab es ein echt bedröhnt zu Schrott gefahrenenes Auto zu bestaunen. Außerdem konnten Nachtschwärmer mal freiwillig probepusten und sich das Drogenerkennungsgerät "Drugwipe" zeigen lassen. Und für diejenigen, die schon richtig einen in der Krone hatten, gab es sogar noch eine kleine Aufmerksamkeit. Polizisten verteilte kostenlose Telefonkarten an Suffkes und ihre potenziellen Beifahrerinnen, damit sie sich ein Taxi bestellen konnten. So ein Vollrausch kostet schließlich eine Stange Geld.

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