Berlin : Von Tag zu Tag: Sympathiepunkte

Matthias Oloew

Wenn die Gebrüder Gottschalk derzeit allgegenwärtig für die Post von Plakaten lächeln, dann hat das vor allem mit dem Börsengang des Ex-Monopolisten zu tun. Aber auch, um für das Unternehmen Gelb Sympathiepunkte zu sammeln. Einige Milliönchen hat die Kampagne gekostet. Sympathiepunkte könnte die Post aber viel billiger sammeln. Und das beinahe täglich.

Ein Beispiel: Eine Postkarte überschreitet das Standardmaß. Nicht ein bisschen, sondern beträchtlich. Trotzdem klebt nur eine 110er-Marke drauf. Ein dummer Fehler. Der Adressat darf daher Nachporto bezahlen. Natürlich hätte die liebe Freundin wissen können, dass das Unternehmen Gelb für eine Karte wie diese mehr Geld sehen will als nur eine Standardmarke. Aber ebenso natürlich hätte auch die Post bemerken können, dass es sich - erkennbar an den Worten "Herzlichen Glückwunsch" - um eine Gratulationskarte zum Geburtstag gehandet hat. Statt also schnöde "290 Nachporto" draufzukritzeln, hätte es auch ein nett formulierter Hinweis tun können: Lieber Kunde, eigentlich wäre hier eine 300er-Marke nötig gewesen, aber weil Sie Geburtstag haben, ersparen wir Ihnen den lästigen Gang zum Postamt und schenken Ihnen das Porto. Mit freundlichen Grüßen. Ihre Post.

Das wäre nicht nur eine hübsche Sympathiewerbung gewesen, sondern hätte sich auch positiv auf den Verkauf der Aktie Gelb auswirken können. Wäre, hätte, könnte - offenbar zuviel verlangt vom Sympathieunternehmen in spe. Was bleibt, ist die Erinnerung an das träge Monopolunternehmen und den lästigen Gang zum Postamt. Und es wächst der Zweifel an die renditeträchtige Zukunft der Aktie Gelb.

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