Berlin : Von Tag zu Tag: Zeitungsmauer

Ingo Bach

Am 13. August jährt sich zum 40. Male der Tag des Mauerbaus. Von heute an werfen wir jeden Tag einen Blick in die Zeitungen vor 40 Jahren. Welche Schlagzeilen beherrschten die öffentliche Meinung? War absehbar, was bald darauf geschehen würde? Wir setzen diese Serie bis zum 13. August fort - ab morgen an Stelle unserer Rubrik "Berliner Chronik".

Ein Ereignis bestimmte am 13. Juli 1961 die Titelseiten der Zeitungen: die (abweisende) Antwort Bonns auf das Moskauer Memorandum vom 17. Februar des Jahres. Der sowjetische Staats- und Parteichef Chruschtschow hatte darin Friedensverhandlungen mit den beiden deutschen Staaten angeboten. "Friedensvertrag nur nach Bildung einer freien gesamtdeutschen Regierung" titelte der Tagesspiegel und kommentierte: "Die Aussichten auf Moskaus Zustimmung zur Wiedervereinigung Deutschlands durch freie Wahlen sind geringer als jemals." Im "Neuen Deutschland", dem SED-Zentralorgan, las sich die selbe Nachricht so: "Unser Deutscher Friedensplan gewinnt Hirne und Herzen - Bonns Standpunkt noch immer irreal und friedensbedrohend."

Der gleichzeitige Adenauer-Besuch in West-Berlin inspirierte den Kommentator der Ost-"Berliner Zeitung" zu einem bemerkenswerten Satz: Adenauer habe das Klima anheizen wollen mit seiner Forderung, "der freie Zugang nach Westberlin müsse erhalten bleiben... . Kein Mensch hat die Absicht, diesen freien Zugang zu vermauern." Einige Wochen später machte der SED-Chef Ulbricht diesen Satz weltberühmt.

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