Berlin : Von Tag zu Tag: Zum Wiehern

Bernd Matthies

Alle reden über Rot-Rot, dabei gibt es Wichtigeres. Zum Beispiel, wie sich das Eingemachte vor der sozialistischen Einheitsfront in Sicherheit bringen lässt. Jede Hilfe ist recht, und so müssen wir hier eilig nachtragen, was besser informierte Journalisten bereits gemeldet haben: "Dieter Bohlen rettet Berliner Polizeipferde vor Todesspritze". Ausrufungszeichen! möchten wir ergänzen - das ist die Nachricht des Jahres, und da fällt der kleine Einwand, dass überhaupt niemand die Pferde umbringen wollte, nicht sonderlich ins Gewicht.

Der Mann, dem alles, was er anfasst, zu goldenen Schallplatten gerinnt, verbindet mit dem Einsatz für "Emir" und seine Freunde auch gleich eine politische Botschaft: "Schafft nicht die Reiterstaffel ab - schafft Gysi ab." Das klingt verdächtig nach Todesspritze andersherum; aber selbst, wenn Bohlen sein Ultimatum nur metaphorisch meint, bleibt ein kleiner Nachteil: Keine zehn Pferde werden es schaffen, uns so glänzend zu unterhalten wie Gregor G.

Doch möglicherweise wird Bohlen wieder einmal unterschätzt. Noch das dööfste Busenwunder hat es in seinem Sog zu Ruhm und Reichtum gebracht, Luder um Luder machte Karriere, und da dürfte es ihm ein Leichtes sein, auch ein paar kluge alte Polizeipferde auf Touren zu bringen. Bald werden sie aus ihrem Leben erzählen, nackt in einer Männerzeitschrift posieren und schließlich eine eigene Talkshow erhalten, und die spätere schmerzhafte Scheidung von ihrem Entdecker wird Millionen zu Tränen rühren. Alles schon geplant!

Ob eins von den Pferden es freilich bis zum Senator bringt, ist offen: Irgendwas muss der Wähler ja auch noch bestimmen dürfen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben