Berlin : Von Tegel nonstop nach Bangkok

Gestern hob der erste LTU-Airbus nach Thailand ab. Weitere Interkontinentalverbindungen sollen folgen

Rainer W. During

Gestern nachmittag hob in Tegel der erste Airbus A 330-200 der Fluggesellschaft LTU in Richtung Bangkok ab. Berlin ist um eine Interkontinentalverbindung reicher – und weitere sollen folgen. „Der Markt ist einfach reif, Berlin lechzt danach, Nonstopverbindungen zu haben“, sagte der Geschäftsführer der LTU, Jürgen Marbach.

Neue Langstreckenflüge sind in Berlin bisher so rar, dass sie groß gefeiert werden. Zum Start der Verbindung nach Fernost standen Palmen im Warteraum, Tempeltänzerinnen traten auf, Passagieren wie geladenen Gästen wurden asiatische Köstlichkeiten gereicht. „Ich bin ein Bangkoker“ stand auf den T-Shirts, mit denen die Flughafengesellschafter ihre Mitarbeiter ausstaffiert hatten. Auch der Regierende Bürgermeister war gekommen. Neue Nonstop-Verbindungen „brauchen wir dringend“, sagte Klaus Wowereit und schloss einen Seitenhieb auf die Lufthansa an. Die Berliner hätten keine Lust, immer erst in Frankfurt oder München umsteigen zu müssen.

Flughafenchef Rainer Schwarz, der vor zwei Jahren von Düsseldorf nach Berlin kam, irrte allerdings, als er vom ersten Nonstopflug von Berlin nach Asien sprach. Ende der 80er Jahre war schon die Interflug mit ihren neuen Airbussen von Schönefeld nach Bangkok geflogen. Und nach der Vereinigung hatten Fluggesellschaften wie Air China, Japan Air Lines und Singapore Airlines in Berlin Fernost-Verbindungen aufgenommen. Doch keine blieb lang, denn in der Hauptstadtregion ließ sich kein Großraumjet zu wirtschaftlichen Ticketpreisen füllen.

Das ist jetzt anders, wie die erfolgreichen Verbindungen von Continental und Delta nach New York zeigen. Im Airbus nach Bangkok waren gestern nur sechs der 320 Plätze frei und fast alle Passagiere kamen aus dem Großraum Berlin. Nur 16 Reisende hatten innerdeutsche Anschlussflüge gebucht und ein Thailand-Fan kam sogar aus Helsinki. Schon jetzt sind die drei wöchentlichen Flüge über die gesamte Wintersaison zu 60 Prozent gebucht. LTU fliegt außerdem im Touristikverkehr nach Kuba und in die Dominikanische Republik, die von einem Reiseveranstalter geplante Strecke nach Melbourne/Florida soll jetzt erst Mitte Dezember aufgenommen werden.

„Es soll nicht bei der Stationierung des einen Flugzeuges bleiben“, versicherte Jürgen Marbach, dessen LTU seit einigen Monaten zur Air Berlin-Gruppe gehört. „Wir werden den Standort Berlin als dritte Langstreckenbasis deutlich ausbauen.“ Gedacht ist daran, die Zahl der wöchentlichen Bangkok-Flüge in der Wintersaison 2008/9 auf fünf zu erhöhen, sagte Marbach. Schon heute sind Zubringer mit Air Berlin aus ganz Deutschland und Europa buchbar, ebenso Anschlussflüge mit Bangkok Airways zu zahlreichen Zielen in Südostasien.

Auch Miami im US-Sonnenstaat Florida könnte ein Ziel werden. Längerfristig steht auch Los Angeles zur Debatte, sagte der LTU-Chef. Bei der erhofften Linie nach Peking sind dagegen chinesische Airlines gefragt, denn das per bilateralem Luftfahrtabkommen zulässige Potenzial der deutschen Fluggesellschaften ist laut Marbach erschöpft. Im Rahmen einer Partnerschaft mit Air Berlin planen Hainan Airlines, wie berichtet, die Aufnahme der Verbindung im kommenden Jahr. Auch Air China hat Interesse am Wiederanflug Berlins geäußert und die in Hongkong ansässige Gesellschaft Oasis verfügt bereits über Flugrechte nach Berlin und Köln/Bonn, die sie bisher noch nicht nutzt. Rainer W. During

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