Von TISCH zu TISCH : SchmidtZ&Ko

Rundherum gut gefüllte Weinregale, beste Beratung, delikates Essen - was will man mehr? Vielleicht noch, dass abends länger offen ist

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Weinladen, Weinbar und gutes Restaurant zugleich: das "SchmidtZ&Ko" in Friedenau.
Weinladen, Weinbar und gutes Restaurant zugleich: das "SchmidtZ&Ko" in Friedenau.Foto: SchmidtZ&Ko / promo

Das Ambiente hat den großzügigen Charme eines ehemaligen Industriegebäudes. Unter hohen Decken reihen sich illuminierte Weinregale an der Wand, mit manchmal pittoresk nach unten zeigenden Flaschen. An den Regalen kann man in Begleitung eines der kundigen Kellner entlang gehen und in aller Ruhe die richtige Flasche für den Abend auswählen. Bei uns wurde es ein 2015er Wagner-Stempel-Chardonnay aus Rheinhessen. Natürlich kann man die Flaschen auch mit heimnehmen. Trinkt man sie im Restaurant, kommt zum eigentlichen Preis noch ein Korkgeld in Höhe von 15 Euro dazu (12,50+15= 27,50 Euro). Es spricht einiges dafür, sie dort zu trinken. Die Tische sind mit ausreichend Abstand voneinander um den großen Tresen arrangiert, mit kleinen Blumenarrangements und ungewöhnlich geformten farbigen Wassergläsern. Im Hintergrund gibt es eine offene Show-Küche. Deren Erzeugnisse vor allem sind es, die zum Verweilen locken.

Bestens beraten

Das beginnt schon mit dem kleinen Gruß vorweg: Ein mit „Bestem vom Geflügel“ gefülltes, knusperndes Stück Strudel auf knackig frischem Karottensalat, dazu Bärlauchcreme, das macht tatsächlich Appetit auf mehr. Dazu gibt es einen exzellenten Winzersekt, dessen Wahl ebenfalls einem qualifizierten Beratungsgespräch zu verdanken war (6,50 Euro). Dem Thema Brot fühlen sich die Betreiber dieser „vinophilen Genusswerkstatt“ besonders verbunden. Es lohnt sich also unbedingt, die Schutzgebühr von 2,50 Euro für einen entsprechenden Korb auszugeben. Wir bekamen dreierlei Sorten hausgebackenes Brot, die alle wunderbar schmeckten. Als Dip dazu gab es Tomatenmarmelade. Zum großartig zarten Blaufelchen mit Senfkörnersauce werden drei Spargelspäne mit polnischer Butter serviert, die sonst ja eher mit Blumenkohl kombiniert wird, hier aber sehr gut passte. Ein mit Salatblättern in Szene gesetzter luftiger Sellerieschaum gab der Vorspeise den letzten Pfiff (9,50 Euro).

Knackig und kross

Sehr überzeugend war auch der Fenchelsalat auf Ziegenkäsemousse. Dazu passten gebratener Mangold, Ziegenkäsejoghurt und dramatische Chips aus Chiasamen, eine leichte Köstlichkeit mit hoher Affinität zu unserem Wein (8,50 Euro). Die Maischolle war zart und gut gebraten. Tiefgrüne Kerbelmousse dazu stand in apartem Kontrast zu relativ hart gekochten weißen und grünen Spargelstangen (21 Euro). Noch besser gefiel die Maispoularde, deren Eigengeschmack mit kunstvoller Würzung exakt zur Geltung kam. Ein frischer, knackiger Spinatsalat verdeckte absolut köstliche, rundum gleichmäßig gebräunte, krosse und vergleichsweise unfettige Bratkartoffeln (20 Euro). Die luftige Leichtigkeit des Ambientes zeigt ganz offensichtlich auch Auswirkungen auf die Kreativität des Kochs. Da passte locker noch ein Nachtisch. Dominiert wurde die schmale Platte von einem sehr echt schmeckenden Erdbeersorbet, zu beiden Seiten Marshmallows mit Waldmeistergeschmack, Limonencreme, säuerlicher Crumble, Erdbeeren und Rhabarber. Bei dieser Kreation handelte es sich, wie wir erfuhren, um „eine dekonstruierte Maibowle“ (9,50 Euro).

Früher Feierabend

Ich finde es angenehm, wenn der Service sich auch fürs Essen interessiert und weiß, was er da heranschleppt. Das Team hier ist groß genug, dass für eine kleine Konversation immer Zeit bleibt, bei der das familiäre „Du“ offenbar zum Stil des Hauses gehört. Einziger Nachteil des Restaurants, das auch ein Weingeschäft ist: Um 22 Uhr ist Feierabend, wobei man freilich nicht gleich vor die Tür gesetzt wird. Aber angesichts einer ebenfalls verlockend aussehenden Auswahl an Vesperplatten mit Wurst und Käse von Blomeyer, die wir auf anderen Tischen sahen, erscheint es fast schade, dass kein Kinogänger hier sein Nachtmahl nehmen kann.

- Schmidt Z&Ko. Rheinstr. 45-46, Friedenau, Tel. 20 00 39 57 0, Di-Sa 10-22 Uhr. Mittag 12-15, abends ab 18 Uhr

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