Von TISCH zu TISCH : Tagesbar

Ein Italo-Mahl am Breitenbachplatz in Dahlem: Unsere Restaurantkritikerin war trotz kleiner Enttäuschungen am Ende versöhnt

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Behaglich sitzen zwischen Spiegeln und Vorspeisen-Vitrine: das Restaurant Tagesbar in Dahlem
Behaglich sitzen zwischen Spiegeln und Vorspeisen-Vitrine: das Restaurant Tagesbar in DahlemFoto: Tagesbar / promo

Vor einiger Zeit geriet ich mal durch Zufall und liebe Freunde in die Tagesbar am Breitenbachplatz. Es war schon spät, nur ein kleiner Snack sollte es sein zum Glas Wein. Meistens geraten Restaurants durch Empfehlungen von Lesern und Bekannten auf meine Liste, weil sie sich selber melden oder weil ich darüber gelesen habe. Dieses landete dort noch am selben Abend wegen des überaus leckeren Thunfischtatars mit Koriander und Zitrone und auch wegen des überraschend feinen Weins.

Erster Eindruck: durchaus professionell

Nun hat es ein paar Monate gedauert, bis ich wieder hingekommen bin. Und leider wurde auf der aktuellen Karte kein Thunfischtatar mehr angeboten. Das Ambiente machte ansonsten den gleichen guten Eindruck wie beim ersten Besuch. Eine große Vitrine gegenüber dem Eingang öffnet den Blick auf appetitliche Vorspeisen. Die strahlend weiße Tischwäsche knistert nur so vor Stärke und statt Blumen lagern rot leuchtend Rispen-Tomaten auf den Tischen, die auch beim kleinen Hunger zwischen den Gängen gut zum Einsatz kommen könnten. Ein großer Spiegel bringt Weite in den Raum. Die Kellner tragen Krawatten zu langärmeligen weißen Hemden. Alles atmet Kompetenz und Professionalität.
Zweierlei Sorten italienisches Brot, ordentliches Öl von De Cecco. Weine gibt es ab den Mittzwanzigern, aber der Ober empfahl uns mit großer Überzeugungskraft den mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis. Und siehe da, es war ein alter Bekannter, ein Lugana aus der Lombardei von Ca de Frati (36 Euro).

Zweiter Eindruck: kleine Enttäuschungen

Nein, das Thunfisch-Carpaccio sei leider ohne Koriander sagte er dann, empfahl stattdessen Tatar vom Räucherlachs. Das war leider auch ohne Koriander und dazu noch reichlich dröge, trotz des „asiatischen Gurkensalats“, der in Gestalt von zwei hübsch drapierten Gurkenlängsscheiben mit exotischen Gewürzen auf dem Lachs thronte. Ähnlichkeiten mit der ursprünglich ersehnten Vorspeise waren ausgeschlossen (16,50 Euro). Die „Pimentos de Padrone“ waren von fast furchteinflößendem Umfang. Tut mir leid, dass ich sie nicht gezählt habe, es waren verblüffend viele, ohne erkennbare Raffinesse zubereitet, einfach Masse statt Klasse (8,50 Euro).
Sehr ehrlich fand ich die Scampi al Pepe in Cognac-Sahne-Sauce. Dicke rosa Scampi auf einer ziemlich mächtigen, aber auch mächtig leckeren, ganz klassischen Sauce mit vielen grünen Pfefferkörnern. Solche Gerichte generieren Stammkunden. Dazu gab es als Beilage gut gekräuterte Ofenkartoffeln mit Schale und grüne Bohnen mit Zwiebeln (20,50 Euro). Gleich drei kleine Kalbsschnitzel übernahmen den Saltimbocca-Part. Der Parmaschinken, der sie umgab, war schön kross und mager, Buttersalbei setzte einen einschlägigen geschmacklichen Akzent, und die Beilage kannten wir schon von dem anderen Gericht (19,50 Euro).

Dritter Eindruck: zum Schluss Genuss

Zum Nachtisch gab es dann nochmal die ganz große Show. Zunächst wurde ein hohes Glas mit respektgebietendem Durchmesser, gefüllt mit Vanilleeis und Scheiben von gut gewachsenen Erdbeeren herbei getragen. Dem folgte ein Kellner, der in einer silbernen Schüssel emsig Ei-Schaum mit Zucker und Marsala schlug. Die lauwarme Zabaione, die dabei entstand, war luftig und zart auf der Zunge, wirklich ein großer Genuss (8 Euro). Darauf noch einen lakritzigen Sambucca und der Eindruck einer behaglich eleganten Adresse für ein feines Italo-Mahl war schon fast wiederhergestellt.

- Tagesbar. Spilstr. 10, Dahlem, Tel. 65 77 22 22, täglich 9 bis 23 Uhr.

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