Berlin : Vor dem bunten Umzug ein Stau der U-Bahnen

BERLIN (Ha/oew).Mehr als hundertausend Berliner haben über Pfingsten den Karneval der Kulturen in Kreuzberg gefeiert und genossen.Höhepunkt war der große Umzug am Sonntag mit hundert kostümierten Tanz-, Musik- und Artistengruppen aus 60 Ländern.Beeinträchtigt wurde das ansonsten störungsfreie Spektakel von schweren Pannen bei der BVG.Nachdem mehrere überfüllte U-Bahn-Züge längere Zeit auf offener Strecke gehalten hatten, liefen die Fahrgäste im Gänsemarsch zu Fuß über die Gleise in die nächstliegenden Bahnhöfe.Die BVG setzte erst ab 13 Uhr - dem offiziellen Beginn des Karnevals - Sonderzüge ein.Bis dahin fuhr die U 1 nur im 10-Minuten-Takt.Der Termin stand seit Wochen fest.

Die U-Bahn-Wagen waren völlig überfüllt; das Chaos beim Ein- und Aussteigen wurde so groß, daß sich die Züge stauten.Um 14.05 stellte die BVG den Verkehr zwischen Kottbusser Tor und Warschauer Straße total ein.Dadurch standen schließlich auch die Züge aus Richtung Westen zwischen den Stationen Hallesches Tor und Kottbusser Tor auf offener Strecke.Die Fahrgäste mindestens aus zwei Zügen liefen zu Fuß bis zur Station Prinzenstraße, da der völlig überfüllte Zug sich unerträglich aufgeheizt hatte.Der Zugführer hatte nur durchgesagt, daß er selbst nicht wisse, wann es weitergehe.In der BVG-Leitzentrale hieß es gestern, daß wegen des Chaos rund um den Görlitzer Bahnhof der Verkehr eingestellt worden sei.Etwa tausend Zuschauer hätten die Hochbahn-Trasse erklommen, um sich den Karneval anzusehen.Erst um 15.19 Uhr fuhren die Züge wieder durch - jedoch wieder nur im 10-Minuten-Takt.Erst nach 18 Uhr entschärfte die BVG das Gedränge durch insgesamt 49 zusätzliche Fahrten.

Die Parade zum Karneval der Kulturen war bewußt nicht als politische Demonstration angemeldet."Hier geht es um ein großes Volksfest", sagte Organisatorin Brigitte Walz von der Werkstatt der Kulturen.Sie kritisierte die zögerliche Haltung des Senats, dem Karneval ähnlich weit entgegenzukommen wie der Love Parade.Bis kurz vor Beginn des Umzuges am Pfingstsonntag sei nicht klar gewesen, ob die Finanzierung auch tatsächlich steht.Der Zuschuß durch die Deutsche Klassenlotterie galt nur als Fehlbedarfsfinanzierung.In den beiden kommenden Jahre bekommt der Karneval Geld aus dem Jahrtausendfeier-Topf.

Ohne Murren hatten die Veranstalter die Auflagen akzeptiert und einen eigenen Sicherheits- und Mülldienst bezahlt.Entsprechend stand alle 50 Meter ein Müllcontainer.Vereinzelt versuchte die Polizei, Schwarzhändler fernzuhalten, die mit Getränken eine schnelle Mark machen wollten.Dies geschah jedoch ohne Eifer.

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