Berlin : Vor den El Al-Flügen patrouilliert jetzt die Reiterstaffel

Besonders hoher Aufwand für die Sicherheit in Schönefeld / Flughafengesellschaft wehrt sich gegen höhere Gebühren des Bundes

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Von Klaus Kurpjuweit

Der Widerstand gegen höhere Sicherheitsgebühren auf dem Flughafen Schönefeld wächst. Nach Ansicht der Flughafengesellschaft hat das Bundesinnenministerium bisher nicht begründet, warum Schönefeld zum teuersten Flughafen in Deutschland werden soll. Insider vermuten, dass damit auch die besonders hohen Kosten für die Sicherheitsmaßnahmen bei Flügen von und nach Israel ausgeglichen werden sollen.

Drei Mal in der Woche landet und startet eine Maschine der israelischen EL AL in Schönefeld. Und jedes Mal setzt der Bundesgrenzschutz (BGS) eine gewaltige Sicherheitsmaschinerie in Gang. Am Terminal sowie am Flugzeug auf dem Rollfeld werden Schützenpanzer stationiert, ein Hubschrauber ist in der Luft, und seit Neuestem patrouillieren die Mitarbeiter der Reiterstaffel, die der BGS von der Berliner Polizei übernommen hat, auf dem Gelände. Die Pferde werden jedes Mal nach Schönefeld gebracht.

Das Bundesinnenministerium will die Sicherheitsgebühren in Schönefeld, wie berichtet, zum 1. November von derzeit 4,74 Euro auf 9,92 Euro erhöhen. In Tegel klettern die Gebühren dagegen nur von 3,30 Euro auf 4,25 Euro. Offiziell begründet das Innenministerium den Spitzensatz für Schönefeld mit dem erforderlichen 24-Stunden-Betrieb bei vergleichsweise wenigen Passagieren. Nur knapp zwei Millionen Fluggäste wurden im vergangenen Jahr in Schönefeld abgefertigt. In Tegel zählte die Flughafengesellschaft dagegen fast 10 Millionen.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) verweist auf die Flughäfen in Dresden, Leipzig, Hannover und Hamburg, die potenziellen Konkurrenten der Berliner Flughäfen. Dort liegen die Sicherheitsgebühren zwischen 3,91 Euro und 7,87 Euro. Damit liegt auch Leipzig unter dem Schönefelder Niveau, obwohl es auch dort einen 24-Stunden-Betrieb bei etwa so vielen Passagieren wie in Schönefeld gibt.

Die Berliner Flughafengesellschaft hat bisher vergeblich versucht, die Gebühren für die drei Anlagen in Schönefeld, Tegel und Tempelhof zu vereinheitlichen, wie es am Wochenende auch die FDP vorgeschlagen hat. Der Satz würde sich dann an der Gesamtzahl der Passagiere auf allen Flughäfen orientieren und wäre für jeden Flughafen gleich. Dies scheiterte daran, dass zwei der Flughäfen in Berlin liegen, der dritte jedoch in Brandenburg. Deshalb habe das Innenministerium hier nicht mitgezogen, heißt es.

Durch höhere Gebühren wird das Vorhaben der Flughafengesellschaft konterkariert, Flüge von Tegel nach Schönefeld zu verlagern. Jetzt kann das Gegenteil eintreten. Nach Angaben der IHK haben mehrere der in Schönefeld ansässigen Fluggesellschaften angekündigt, dass sie den weiteren Ausbau ihrer Verbindungen überdenken oder einen Umzug nach Tegel planen. Besonders betroffen von der Gebührenerhöhung wären Billigfluglinien wie Buzz, die mit jedem Euro rechnen – und werben. 59 Euro kostet der billigste Flug nach London einschließlich der Steuern. Und auch die irische Ryan Air hat Interesse an Schönefeld angemeldet – falls sie keine Gebühren zahlen müsste. Die Flughafengesellschaft hofft nun, dass der Bund sich auf einen Gebührensatz zwischen 6 und 7 Euro beschränken wird.

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