• Vorläufig nicht im Dienst: Die Nummer eines Anrufers erscheint immer häufiger auf dem Display des Telefons, das machte die Fahndung zu einem Kinderspiel

Berlin : Vorläufig nicht im Dienst: Die Nummer eines Anrufers erscheint immer häufiger auf dem Display des Telefons, das machte die Fahndung zu einem Kinderspiel

Burkhard Schröder

Kaum jemand weiß, wie ein Telefon funktioniert. Das gilt vermutlich auch für den Berliner Polizisten, der verdächtigt wird, mit einem anonymen Anruf mit Bombenattentaten gedroht zu haben. Seine Nummer erschien jedenfalls auf dem Display des angerufenen Apparats, was die Fahndung zu einem Kinderspiel machte. Hätte der Täter das Handbuch seines ISDN-Telefons studiert, wäre ihm aufgefallen, dass eine verstellte Stimme allein nicht ausreicht, seine Identität zu verbergen.

Handbücher technischer Geräte erklären hübsch jedes Detail, sind aber selten geeignet, den Kunden in die Lage zu versetzen, mit der Technik umzugehen. Kaum jemand liest oder versteht sie. Legendär sind die Gebrauchshinweise für Videorecorder geworden. Deshalb wirft man Handbücher entweder sofort nach dem Kauf weg oder schaut erst dann nach, wenn man ein halbes Dutzend Mal damit gescheitert ist, das Ding in Betrieb zu nehmen. Die glitzernde neue Technik überfordert die meisten Menschen, auch die Verbrecher. Das ist gut für die Polizei. Im Zweifelsfall gibt es dort immer jemanden, der das Handbuch studiert hat.

Internet, ISDN, download - böhmische Dörfer für manche Verbraucher, die jetzt "User" heissen. Der gewöhnliche Telefon-User könnte sogar , hätte er das Handbuch - englisch: manual - studiert, aus der Ferne Mikrofon und Lautsprecher eines fremden ISDN-Telefons einschalten, über das Leistungsmerkmal "direktes Ansprechen". Laut Vorschrift muss das Telefon durch einen Ton vor sich selbst warnen, wenn das geschieht.

Aber dieser Ton lässt sich so verändern, dass ihn nur noch Fledermäuse und Hunde hören. Beim Export nach China verlangen die dortigen Behörden deshalb, dass die Funktion, mit der man sich ohne Warnton in Gespräche einschalten kann, von vornherein abgeschaltet wird. Nur aus der Abneigung gegen Handbücher kann man sich auch die aufgeregten Berichte vor einigen Wochen in den Medien erlären: Handys könnten "abgehört" werden. Experten in Fachzeitschriften warnten und mahnten und kamen damit ins Fernsehen.

Solche Probleme treffen viele. Manche Neonazis aus Deutschland wundern sich: Sie verbreiten illegale Inhalte auf ihrer Homepage, die Polizei braucht aber nur fünfzehn Sekunden, um ihren Namen, Adresse und Telefonnummer herauszufinden. Handbücher für Who-is-Datenbanken sind kurz und leicht verständlich und den Strafverfolgungsbehörden durchaus bekannt.

Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens, schrieb Friedrich Schiller. Gegen Dummheit kann man aber etwas tun. Dafür hat sich im Internet eine Abkürzung eingebürgert: RTFM ("read the f... manual")

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