Berlin : Waffen-Narr hatte noch eine Maschinenpistole im Keller

Werner B. sprengte fast sein Kreuzberger Wohnhaus. Trotz der Verurteilung fiel er wieder auf. Jetzt bekam er 14 Monate „Nachschlag“

Kerstin Gehrke

Seine „Freundinnen“ hatte Werner B. gut versteckt. Die Polizei fand die knapp 70 Pistolen, Revolver oder Gewehre und 349 selbst gebastelten Handgranaten in Verschlägen im Keller des 59-Jährigen oder in der Küche. Das war vor einem Jahr. Damals hatte B. beim Basteln an einem Sprengsatz eine Explosion auslöst. Die Bewohner des Mietshauses an der Kreuzberger Kloedenstraße entgingen nur knapp einer Katastrophe. Sie atmeten auf, als ihr Nachbar B. in Haft kam. Sie wurden unruhig, als ihm Haftverschonung gewährt wurde. Sie sollten Recht behalten.

Der Waffennarr saß gestern wieder vor Gericht. Weil er nach der Explosion und dem Prozess vor dem Berliner Landgericht wieder mit einer scharfen „Freundin“ und 50 Schuss Munition erwischt worden war. Die Polizei fand die Maschinenpistole vom Typ „Skorpion“ in einem schmalen Seitenfach in der Küche des Angeklagten. Das war im November vergangenen Jahres – nur wenige Wochen nach der Verurteilung des Bomben-Bastlers zu einer Gefängnisstrafe von drei Jahren und drei Monaten. Auf die Munition in seinem Keller hatte Werner B. die Beamten allerdings von sich aus aufmerksam gemacht.

Dass der gelernte Feuerwerker und Sprengmeister nach dem Prozess wieder in die Kloedenstraße gehen konnte, lag an der Haftverschonung, die ihm das Landgericht gewährt hatte. Bis zur Ladung zum Strafantritt durfte er nach Hause. Die Richter sahen keine Wiederholungsgefahr. Doch während sie das milde Urteil sprachen, könnte Werner B. bereits an sein edelstes Stück gedacht haben. Die „Skorpion“ war in der Anklage nicht aufgelistet. Hatte man sie nur vergessen? Oder steckte sie noch hinter den Rohren im Keller?

Nun der Prozess vor dem Amtsgericht wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffengesetz. Werner B. wird aus der Untersuchungshaft vorgeführt. „Als ich meinen Keller aufräumen wollte, fand ich Munition“, sagt er. Er rief seinen Rechtsanwalt und dann die Polizei an. Man habe ihm erklärt, er solle erst alle Patronen zusammensuchen. Die „Skorpion“ will er erst später entdeckt haben.

„Warum haben Sie die Maschinenpistole verschwiegen?“, forscht die Richterin. Werner B., ein etwas kauzig wirkender Mann mit schmalem Schnurrbart und einer großen Brille, will es auf die Polizei schieben: „Sie wussten doch von der Munition und sind nicht gleich gekommen.“ Und er behauptet: „Ich befürchtete Ärger, eine neue Anklage, und wollte die Waffe deshalb heimlich in die Spree werfen.“

Die Richterin nimmt ihm das nicht ab: „Die Polizei hatte – aus welchen Gründen auch immer – die Maschinenpistole und die Munition bei den Durchsuchungen nach der Explosion nicht gefunden. Das wussten Sie genau.“ Die Anrufe bei der Polizei seien nur „Ablenkungsmanöver“ gewesen. „Waffen sind Ihre Lieblinge, Freundinnen, sie wollten über die Skorpion verfügen“, hält sie ihm vor.

Wegen seiner Waffenleidenschaft saß Werner B. bereits zu DDR-Zeiten für sechs Jahre im Zuchthaus. Später wurde er Sprengmeister. Die Arbeit bei einem Munitionsbergungsdienst aber war ihm nicht explosiv genug. Da machte er es privat. Jetzt steht ihm eine lange Zeit hinter Gittern bevor: Die Richterin verhängte eine weitere Haftstrafe von 14 Monaten.

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