Wahl-O-Mat : Der Politikberater im Internet

Stimmempfehlung per Wahl-O-Mat: Der Berliner Student Mathias Großklaus hat ihn mitentwickelt und so ziemlich jedes Parteiprogramm zur EU-Wahl ausgewertet.

Patricia Hecht
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Entscheidungshelfer. Der Politikstudent Mathias Großklaus hat für den Wahl-O-Mat so ziemlich jedes Parteiprogramm zur EU-Wahl...

Dürfen in der Europäischen Union gentechnisch veränderte Lebensmittel produziert werden? Sollen die Bürger der EU eigens über die Aufnahme von neuen Mitgliedern abstimmen? Und soll auf allen Autobahnen europaweit dasselbe Tempolimit gelten? Solche und ähnliche Fragen stellt der Wahl-O-Mat zur Europawahl. Per Mausklick kann der potentielle Wähler mit Hilfe der interaktiven Wahlmaschine Stellung zu 38 Thesen beziehen und herausfinden, inwieweit die eigenen Ansichten denen der Parteien gleichen.

Zum ersten Mal gab es einen Wahl-O-Mat bei der Bundestagswahl vor sieben Jahren im Netz; seitdem werden die Fragen bei jeder Wahl aufs Neue formuliert. Die Initiative dazu kommt von der Bundeszentrale für politische Bildung – die Thesen stellen 24 Jungwähler auf. Einer davon war in diesem Jahr der Berliner Politikstudent Mathias Großklaus. Noch bevor er selbst wählen durfte, sagt der 22-Jährige, habe er den Wahl-O-Mat gekannt und Feuer dafür gefangen: „Es ist ein politisches Spiel, das Parteien unterscheidbar und die Themen verständlich macht. Außerdem zeigt es jedem, dass ihn die Wahl betrifft.“

In drei mehrtägigen Workshops durchforstete die junge Redaktion zunächst die Wahlprogramme. Die Thesen sollten wichtige europäische Fragen berühren und von den Parteien möglichst kontrovers bewertet werden. „Die Slogans auf den Plakaten sind zwar alle ähnlich“, sagt Mathias Großklaus, der neben dem Studium am Lehrstuhl für Europäische Integration der FU arbeitet. „Aber aus den Programmen haben wir die eigentlichen Positionen zur Europawahl herausgefiltert. Und da gibt es ziemlich große Unterschiede.“

Soziales, Wirtschaft, Umwelt – alle Bereiche sind dabei. Die Thesen wurden den 32 zur Wahl zugelassenen Parteien geschickt, und fast alle beantworteten sie. Das kann jetzt auch der Wähler: Zustimmen, ablehnen, weiterklicken – und am Ende zeigt ein Balken, welche der Parteien und kleinen Wählervereinigungen dieselben Standpunkte vertritt. „Der Wahl-O-Mat kann zwar keine Wahlentscheidung ersetzen“, sagt Pamela Brandt von der Bundeszentrale für politische Bildung. „Aber er soll Lust machen, sich mit der Europawahl auseinander zu setzen.“ Mathias Großklaus selbst hat sich ohnehin intensiv genug mit der Wahl am 7. Juni beschäftigt: „Entscheidung steht fest.“ Die Wahlmaschine lässt ihn trotzdem nicht los. Oft höre er im Freundeskreis oder in der U-Bahn, wie Leute die Ergebnisse diskutierten, sagt er: „Dann bin ich stolz auf unseren Wahl-O-Mat.“

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