Wahl-Serie: Gesundheit - Das sagt der Experte : "Marode Dächer und fehlende Geräte"

In Berlin wurde jahrelang weniger in Kliniken investiert als in vielen anderen Bundesländern. Das rächt sich jetzt, sagt Ärztekammer-Präsident Günther Jonitz.

Foto: Carsten Rehder/dpa
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In die Berliner Kliniken kommen sie von weit her – regelmäßig fliegen Privatpatienten aus Russland oder den Ölmonarchien in die Stadt. Für viele Berliner kommt es aber nicht so sehr auf die Expertise bestimmter Spezialisten an, sondern auf die Versorgung im Alltag. Die 50 Plankrankenhäuser mit den stadtweit bald 22 000 Betten müssen funktionieren. Plankrankenhäuser sind Kliniken, die für die Landesversorgung als relevant anerkannt werden. Für sie sieht das Gesetz vor, dass die Bundesländer die Gebäude und die Technik bezahlen, die Krankenkassen das Personal und die Arzneimittel. In Berlin wurde jahrelang weniger investiert als in vielen anderen Bundesländern. Folge: marode Dächer, fehlende Räume, nicht immer die besten Geräte.

Dem Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus zufolge liegt der Investitionsbedarf der Berliner Kliniken bei 240 Millionen Euro pro Jahr – doppelt so viel wie zuletzt ausgezahlt wurde. Allein die landeseigenen Vivantes-Krankenhäuser bräuchten bis 2026 eine Milliarde Euro. Günther Jonitz, Präsident der Berliner Ärztekammer, sagt zwar: „Unter Mario Czaja haben die Akteure im Gesundheitswesen zunehmend zusammen- und nicht mehr gegeneinander gearbeitet.“ Doch Jonitz fordert auch, dass sich Berlin gegenüber der Bundesebene behaupten und eine bessere Finanzierung der Krankenhäuser verlangen müsse. Die Krankenhausreform von 2015 ist dabei keine Hilfe.

Das Ziel der Reform: Eine festgelegte Obergrenze soll verhindern, dass sich unausgelastete Kliniken durch überflüssige, aber lukrative Operationen sanieren. Wenn Kliniken bestimmte Maximalmengen nicht einhalten, die sich an den vergangenen Jahren orientieren, bekommen sie von den Krankenkassen für jede Zusatz-OP weniger Geld. Doch selbst wenn Berliner Ärzte bestimmte Eingriffe seltener empfehlen – sie werden mehr als bislang durchführen müssen: Denn Berlins Einwohnerzahl wächst.

Dieser Text ist Teil unserer Serie zur Berlin-Wahl 2016. In der ersten Folge diskutierten wir Wahlfragen rund um das Thema Kinder, den Text können Sie hier nachlesen. Welche Maßnahmen der rot-schwarze Senat in der ablaufenden Legislaturperiode für bessere Kinderbetreuung und Schulen getroffen hat, ist hier aufgeschrieben. Was Bildungs-Experten empfehlen, lesen Sie hier.

Die nächsten Folgen: Klima, 7.8., Verkehr, 9.8., Sicherheit, 11.8., Integration, 13.8., Wirtschaft, 15.8., Ämter, 17.8., Demokratie, 19.8.

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