Berlin : Wahlen in Berlin: Abschied der alten Hasen

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Bis vor wenigen Monaten waren Eberhard Diepgen und Klaus Landowsky die mächtigsten Männer auf Berlins politischer Landesbühne. Nun verabschiedeten sich der frühere Regierende Bürgermeister und der gewesene CDU-Fraktionschef auch vom Parlament. Diepgen war genau 30 Jahre, Landowsky 26 Jahre Abgeordneter. Gemeinsam waren sie aufgestiegen, man ahnte immer, dass sie auch gemeinsam abtreten würden, wenngleich unter angenehmeren Umständen. Diepgen bereitet immerhin sein zweites politisches Leben im Bundestag vor. Doch auch bescheidenere politische Karrieren gehen früher als geplant zu Ende. Und so lag auch Wehmut über diesem 1. September, an dem das Abgeordnetenhaus den Weg zu Neuwahlen ebnete.

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Bei der CDU ist der Blutaustausch gewiss am stärksten. Nur der alte Mehrheitsbeschaffer der Diepgen-Landowsky-Riege, Peter Kittelmann (65), hat die Krise überstanden. Er kandidiert wieder und wird womöglich Alterspräsident im neuen Abgeordnetenhaus. Auch prominente "alte Hasen" wie Ex-Senator Peter Radunski und unverhofft verblasste Hoffnungsträger wie Ex-Senator Wolfgang Branoner treten ab. Der Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns (Abgeordneter seit 1979) verlor das Nominierungsgerangel. Der Rechtspolitiker Hubert Rösler, der mit Diepgen 1971 ins Parlament einzog, kandidiert nicht wieder. Von Diepgens Senatoren kandidieren nur Peter Kurth und Christoph Stölzl, dafür erstmals und sehr gut platziert.

Doch auch "alte Hasen" der SPD-Fraktion machen freiwillig oder erzwungenermaßen "Frischlingen" Platz. So verzichtet die langjährige Fraktionsgeschäftsführerin Petra Merkel; sie will nach zwölf Jahren im Abgeordnetenhaus in den Bundestag. Der Schulpolitiker und jetzige Alterspräsident Peter Schuster (67) fiel bei der Nominierung durch, ebenso die Kulturpolitikerin Irana Rusta. Die stellvertretende Fraktionschefin Kirsten Flesch darf nur noch unter ferner liefen antreten. Der Hauptausschuss-Vorsitzende Hans-Peter Seitz (Ost) gibt nach zehn, Reinhard Roß nach 16 Jahren das Mandat auf.

Bei den Grünen dankt der rührige Haushaltsexperte Burkhard Müller-Schoenau ab. Er wird Vater und will für das Kind da sein. Alice Ströver rückte bereits zur Kultur-Staatssekretärin auf, Bernd Köppl zum "Koordinator" für Wissenschaft und Forschung bei Senatorin Adrienne Goehler, ein Quasi-Staatssekretär. Nur bei der PDS kandidieren wohl alle wieder - in prominenter Gesellschaft des "Frischlings" Gregor Gysi.

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