Berlin : Wahlhilfe

Lars von Törne

erwartet vom MoMA einen Impuls für die Demokratie Je knapper ein Gut, desto wertvoller. Dass die alte Händlerweisheit nicht nur für Diamanten, Kaviar oder Maybach-Limousinen gilt, sondern auf jedes beliebige Gut übertragen werden kann, beweist seit Monaten die MoMA-Schau. Nur wenige Menschen auf einmal dürfen in die Nationalgalerie hinein, draußen steht man sich die Beine in den Bauch, und was passiert? Boykottieren die Menschen das Museum wegen seiner besucherfeindlichen Beschränkungen? Gehen sie nach nebenan in die Gemäldegalerie, wo die Kunst genauso schön, aber ohne Wartezeit zu genießen ist? Im Gegenteil: Je länger die Schlange, desto mehr Menschen stellen sich geduldig an. Und jetzt erklären die Ausstellungsmacher auch noch freimütig, dass das alles Absicht ist. Einer Künstlergruppe, die sich über die massenhafte Zeitverschwendung mokierte, teilten sie mit, auf die Schlange könne man nicht verzichten. Die werbe doch für die Ausstellung. Na, das ist doch eine Steilvorlage für andere Veranstaltungen, denen es bislang an Anziehungskraft mangelte. Die Europawahl zum Beispiel. Wenn die ausgeht wie beim letzten Mal, dann werden am 13. Juni nur vier von zehn Berlinern zur Urne gehen. Es sei denn, der Landeswahlleiter lernte rechtzeitig vom MoMA. Rigide Zugangsbeschränkungen zu Wahlkabinen, knappe Eintrittskarten und teure VIP-Vorzugstickets würden in kurzer Zeit Schlangen vor den Wahllokalen provozieren. Wetten, dass dann die 60 Prozent Nichtwähler auch da rein wollen?

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