Wahlkampf der FDP : Ryanair unterstützt FDP bei Tegel-Offenhaltung

Die FDP stellt in Berlin ihre Wahlkampagne vor. Die Offenhaltung des Flughafen Tegel steht weiterhin ganz oben auf der Agenda.

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Listenplätze 2 und 1. Daniela Kluckert und Christoph Meyer am Dienstagabend in der PanAm-Lounge bei der Präsentation der Wahlkampagne.
Listenplätze 2 und 1. Daniela Kluckert und Christoph Meyer am Dienstagabend in der PanAm-Lounge bei der Präsentation der...Foto: Fatina Keilani

Die Fluglinie PanAm flog nach Tegel und Tempelhof, bis erst sie einging und dann Tempelhof. Nur Tegel steht noch, und wenn es nach der Berliner FDP geht, soll das auch noch lange so bleiben.

Die PanAm-Lounge steht auch noch, sie sieht aus wie damals, original Sechziger-Interieur, zehnter Stock des Eden-Hochhauses neben dem Palace Hotel, alter Westen, nach Osten hat das Haus keine Fenster. Es war eben kalter Krieg. Hier vergnügten sich Piloten und Stewardessen der untergegangenen Airline, hier stellt die Pro-Tegel-Partei FDP die neuen Plakate vor, mit denen sie in den Bundestagswahlkampf zieht. Ist der Ort gut gewählt? Schwer zu sagen.

"Denken wir neu" - wie denn sonst?

Das Fräulein Ilona ist jedenfalls bezaubernd, strahlend schönes Gesicht, dazu die figurbetonte Uniform aus weißer Bluse, himmelblauem Bleistiftrock und dem typischen Schiffchen auf der Retro-Frisur. Der Claim der FDP lautet: „Denken wir neu“. Ist der nun gut? Wie soll man denn sonst denken, etwa alt?

"Tegelretter"

Plakatiert werden fünf Motive, vier davon zeigen Parteichef Christian Lindner, eines den Berliner Spitzenkandidaten Christoph Meyer. Dieser tritt monothematisch an – nur das Wort „Tegelretter“ steht über der Brust. Für alle anderen Themen steht Lindner.

Mal sieht er fast aus wie ein White-Collar-Krimineller, mit hartem Schlagschatten an der Wand und dem Slogan „Die Sicherheit muss besser organisiert sein als das Verbrechen“ – diesen Spruch hatte Fraktionschef Sebastian Czaja schon im Landeswahlkampf benutzt; er stand auch für das Thema Tegel.

Lindner als Smombie

Lindner wirbt zudem für Wirtschaftspolitik, Bildung und – mit einem Plakatmotiv, auf dem er als Smombie erscheint – für Digitalisierung. Ein Smombie ist ein Smartphone-Zombie, also einer, der von der Welt nichts mitbekommt, weil er ständig auf sein Handy starrt, so wie Lindner, vom Betrachter abgewandt, auf dem Plakat, dazu als Slogan: „Digital first. Bedenken second.“

Eine wahrhaft liberale Partei fehlt derzeit, aber wie will die FDP es schaffen? Sie hat ja Ziele, durchaus, doch die Plakate verraten davon nichts. Den Soli abschaffen, das Wechselmodell im Sorgerechtsstreit als Standard etablieren, das Erfordernis des P-Scheins bei Taxifahrern abschaffen, die Bildung den Ländern wegnehmen und bundeseinheitlich machen, die Schaffung eines Digitalministeriums – das sind nur einige kleinere Punkte; nichts davon wird plakatiert.

Czaja kündigt den behäbigeren Meyer als einen an, der die „Erneuerung der FDP verkörpert“. Meyer war Fraktionschef von 2002 bis 2011, unter seiner Führung flog die FDP 2011 aus dem Abgeordnetenhaus. 450 Großflächenplakate werden aufgehängt, davon ein Teil gesponsert vom Billigflieger Ryanair, sowie 9000 bis 10 000 Kleinplakate in DIN A1 und A0.

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