Waldfriedhof Berlin-Dahlem : Kameramann Michael Ballhaus beigesetzt

Auf dem Waldfriedhof Dahlem wurde am Sonnabend der Kameramann Michael Ballhaus begraben. Auch der Bundespräsident und der Regierende Bürgermeister erwiesen dem Toten die letzte Ehre.

Langes Geleit. Der Berliner Kameramann Michael Ballhaus wurde in einer bewegenden Trauerfeier mit vielen prominenten Gästen und vielen bewegenden Gesten zu Grabe getragen.
Langes Geleit. Der Berliner Kameramann Michael Ballhaus wurde in einer bewegenden Trauerfeier mit vielen prominenten Gästen und...Foto: Maurizio Gambarini/dpa

"Jeder weiß, dass er sterben muss, aber niemand glaubt es." Niemand? Hat es auch Michael Ballhaus nicht geglaubt? Eine Frage, die nicht mehr zu beantworten ist, aber doch nicht fern liegt an diesem grauverhangenen Samstagvormittag vor der Kapelle des Waldfriedhofs Dahlem am Hüttenweg. Ein Satz aus Mitch Alboms Buch „Dienstags bei Morrie – Die Lehre eines Lebens“, in der der Journalist seinen ehemaligen, nun todkranken Professor Morrie Schwartz besucht, ihn trösten will und doch selbst lernt, das Leben und den Tod neu zu verstehen.

Worte, die Ulrich Matthes liest, wie man spürt selbst tief betroffen vom Tod des Kameramanns, der nun zu Grabe getragen werden soll. In der Dramaturgie der Trauerfeier – bei Ballhaus, Filmmann durch und durch, passt dieser Begriff – nimmt der Schauspieler den dritten Akt ein, nach einem der Söhne des Verstorbenen, nach Berlinale-Chef Dieter Kosslick und vor dem Regisseur Peter Lilienthal. Alles in allem Menschen, denen der Tote zu Lebzeiten so viel bedeutet hat, die ihm so viel verdanken, als Vater, Freund, Kollege.

Auch Michael Müller erwies dem Toten die letzte Ehre

Viertel vor elf mussten die an den vier Pulten mit den Blättern des Kondolenzbuches wartenden Mitarbeiter des Bestattungsinstitutes doch noch kurz ihre Regenschirme aufklappen, während sie den nach und nach eintreffenden Trauergästen Stifte reichten. Einige derjenigen, die erst am Vorabend während der Gala zum Deutschen Filmpreises der Toten des vergangenen Jahres, darunter Michael Ballhaus, gedacht hatten, waren nun wieder erschienen, Tom Tykwer etwa oder Katja Riemann.

Eingefunden hatten sich auch Wim Wenders, Karoline Herfurth, Natalia Wörner mit Bundesjustizminister Heiko Maas, Sandra Maischberger, Medienboard-Chefin Kirsten Niehuus und viele mehr, die der Familie des Toten, seiner Witwe Sherry Hormann, seinen Söhnen aus erster Ehe, Florian und Sebastian, wie auch seiner Schwester Ulla ihre Anteilnahme aussprachen.

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Regierende Bürgermeister Michael Müller erwiesen dem Toten die letzte Ehre, ebenso Müllers Amtsvorgänger Klaus Wowereit, der, wie er am Rande der Trauerfeier sagte, mit Ballhaus lange befreundet war, von diesem auch unterstützt wurde und überhaupt für den Toten nur die wärmsten Worte fand.

Als erste Würdigung des Toten vor den rund 120 Trauergästen sprach sein Sohn Sebastian sehr persönliche Worte an den „liebsten Vater“, Erinnerungen an das durch dessen Beruf oft vagabundenhafte Familienleben, an dessen Begeisterungsfähigkeit und Fürsorglichkeit – aber auch an die zeitweise, doch zum Glück rechtzeitig überwundene Entfremdung nach dem Tod der ersten Frau, den der Vater nur schwer überwunden habe.

Ein leuchtender Tomatenstrauch als Gruß

Zweimal war Ballhaus auf der Berlinale ausgezeichnet worden, erst mit der Berlinale-Kamera, im Vorjahr dann mit dem Ehrenbären, woran Festivalleiter Dieter Kosslick erinnerte. Er selbst hatte Ballhaus 1999 beim Filmfest in Locarno kennengelernt, beide waren Mitglieder der Jury, die selbstverständlich Ballhaus zu ihren Vorsitzenden wählte. Doch auf der Berlinale liefen nicht nur Filme des Kameramannes wie Marty Scorseses „Gangs of New York“, er war auch, so verriet Kosslick, „Mitbegründer des Kulinarischen Kinos“ und ohnehin ein prima Koch: „Seine Spaghetti waren immer perfekt.“

So war denn auch ein rot leuchtender Tomatenstrauch unter den Trauergebinden, als letzter kulinarischer Gruß neben all den Kränzen und Grabsträußen – darunter einer der „Rainer Werner Fassbinder Foundation & Juliane“, des Filmstudios Babelsberg, wie auch der Akademie der Künste. Auch Wolfgang Petersen („Danke für alles. Es war so viel.“) hatte einen Kranz geschickt. Er lag gleich neben einem letzten Gruß aus Hollywood: "With Love – Marty and Helen".

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