Waldinventur in Brandenburg : Kiefern sollen Eichen weichen

Nirgends in Deutschland gibt es so viele Kiefern wie in Brandenburg. Doch sie sind schlecht für das Grundwasser und anfällig für Schädlinge. Deshalb müssen mehr Laubbäume her. Das gilt auch für die Berliner Forste wie den Grunewald.

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Müssen diese Kiefern nahe Briesen bald Eichen weichen?
Müssen diese Kiefern nahe Briesen bald Eichen weichen?Foto: Patrick Pleul/dpa

Auch wenn Pilzliebhaber es bedauern – Brandenburgs legendäre und ausgedehnte Kiefernwälder werden nach und nach zu Mischwäldern umgewandelt. Das sei nicht nur wegen der – gerade wieder rasant ansteigenden – Waldbrandgefahr dringend erforderlich, sagte Carsten Leßner, Referatsleiter für Jagd- und Forstwirtschaft beim Brandenburger Landwirtschaftsministerium, am Dienstag dem Tagesspiegel.

Er bezog sich auf eine landesweite Waldinventur, die erstmals durchgeführt wurde und über deren Ergebnisse Forstminister Jörg Vogelsänger (SPD) am gestrigen Dienstag das Kabinett in Potsdam informierte. Derzufolge ist Brandenburg das Kiefernland Nummer 1. Rund 31 Prozent aller deutschen Kiefern ehen hier, sie nehmen mit 70 Prozent die mit Abstand größte Fläche des märkischen Walds ein.

Monokulturen sind besonders anfällig

Das ist nicht gut, sagt Carsten Leßner: „Durch die besonders häufig nach dem 2. Weltkrieg angelegten Reinbestände, die in Brandenburg vor allem aus Kiefern bestehen, ist die Anfälligkeit gegenüber extremen Witterungsbedingungen und Schädlingen gestiegen.“ Auch die Grundwasserneubildungsrate sei unter gemischten Wäldern sehr viel größer als unter reinen Kieferwäldern.

Diese Wassermengen und die Qualität des Wassers seien ein Hauptgrund für den Waldumbau, sagte Leßner. Gerade weil die Brandenburger Wälder gewissermaßen den grünen Gürtel um Deutschlands größte Metropole Berlin bilden, sei der Ausbau des Laubholzanteils sehr wichtig. Von 1990 bis 2014 wurden in Brandenburg bereits 75 000 Hektar Kiefernwälder umgebaut. In den kommenden 40 Jahren sollen noch rund 500 000 Hektar dazukommen. Auch in Berlin gibt es dafür entsprechende Programme.

Hälfte der Jungbäume ist beschädigt

Waldumbau umfasst forstwirtschaftliche Maßnahmen, mit denen die dominierenden Kiefernmonokulturen in naturnähere Laub- und Mischwälder umgewandelt werden. Dafür kann man entweder selbst junge Bäume pflanzen oder die sich von alleine einstellende Naturverjüngung ausnutzen. Dabei erfolgt unter einem Schirm des Altholzbestandes die künstliche Verjüngung des Waldes. Wo bereits geeignete Samenbäume vorhanden sind, wie in einigen Wäldern Brandenburgs, ist die natürliche Verjüngung besser geeignet.

54 Prozent der Bäume in Brandenburg, die jünger sind als 20 Jahre, sind jetzt schon Laubbäume. Allerdings hat Wildverbiss fast die Hälfte davon beschädigt – das ein weiteres Ergebnis der Waldinventur. Auch in dieser Hinsicht nimmt Brandenburg den Spitzenplatz in Deutschland ein. Dagegen helfen nur Zäune, die bisher nur vier Prozent der märkischen Bäume schützen.

Zwei Drittel in Privatbesitz

Ein weiteres Problem ist, dass sich mit fast zwei Dritteln der Brandenburger Wälder ein extrem hoher Anteil in Privatbesitz befindet. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 48 Prozent. Das Land unterstützt die Waldbesitzer – in den vergangenen 25 Jahren wurden rund 180 Millionen Euro Fördermittel für den Waldumbau, den vorbeugenden Waldbrandschutz und für forstwirtschaftliche Zusammenschlüsse der Waldbesitzer ausgegeben. Letzteres ist wichtig, weil durch den kleinteiligen Waldbesitz eine effektive Bewirtschaftung schwieriger wird.

Immerhin ist die Waldfläche in den vergangenen Jahren trotz Infrastrukturmaßnahmen und Tagebaue konstant geblieben: Mit 1,1 Millionen Hektar gehört Brandenburg zu den waldreichsten Bundesländern. Und Pilze wird es auch in den nächsten Jahren ausreichend geben.

Waldumbau auch in den Berliner Forsten

Die Berliner Impressionisten wie Walter Leistikow, Lesser Ury, Franz Skarbina oder Max Liebermann haben sie auf ihren Bildern verewigt – die knorrigen märkischen Kiefern an den Grunewaldseen. Doch auch im Grunewald und anderen Berliner Forsten sollen die Nadelbäume, speziell Kiefern, wie in Brandenburg zugunsten des Laubwaldes zurückgedrängt werden. Anfang des Jahres wurden schon etliche Kiefern gefällt, es gab Proteste – doch im Herbst 2015 sollen erneut Motorsägen kreischen.

Verschwindet also der charakteristische Baum der Berliner Wälder, die Kiefer, auf lange Sicht? „Keineswegs“, heißt es bei der Forstverwaltung. „Kiefern werden auch künftig das Bild beispielsweise des Schlachtensees prägen.“ Sie sollen nur „weniger dominant“ sein, beträgt ihr Anteil an allen Waldbäumen in Berlin doch zur Zeit rund 60 Prozent. Stattdessen wollen die Forstleute im Rahmen des geplanten „Waldumbaues“ mehr Eichen, Linden oder Hainbuchen setzen.

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