Berlin : Wankelmut tut selten gut

Wie türkische Blätter über die heimliche doppelte Staatsbürgerschaft berichten

Suzan Gülfirat

Die „erschlichene doppelte Staatsbürgerschaft“ ist ein Dauerthema in den türkischen Zeitungen. Denn rund 5000 Berliner Türken konnten sich nicht entscheiden – zwischen der deutschen und türkischen Staatsbürgerschaft. Also nahmen sie erst die deutsche an und holten sich anschließend die so verlorene in der Türkei wieder zurück – freilich ohne den deutschen Behörden Bescheid zu geben. Fast täglich bringen die Blätter einen Aufmacher zu diesem Problem. Denn: Wer ohne Wissen der Behörden die Staatsbürgerschaft eines Landes annimmt, das nicht der EU angehört, verliert seit 2000 automatisch seine deutsche Staatsbürgerschaft. Und das heißt wiederum: Zehntausende Nichtdeutsche leben deshalb ohne einen „Aufenthaltstitel“ hier.

Die Minister aller Bundesländer hatten ein Einsehen mit den wankelmütigen Deutsch-Türken: Sie setzten eine Frist und versprachen, dass jeder in dieser Zeit ganz unbürokratisch seine deutsche Staatsbürgerschaft zurückbekommen könne. Mit magerem Ergebnis: Von den knapp 5000 türkischen Doppelstaatlern haben sich in Berlin gerade mal knapp 500 gemeldet. Am Mittwoch hat die Senatsverwaltung für Inneres in der Hürriyet einen Aufruf veröffentlicht, der daran erinnert, dass die Frist in Berlin am 31. August abläuft.

Manche fürchten, ihre Erbrechte in der Türkei zu verlieren. Andere glauben, in der alten Heimat kein Land mehr kaufen zu können. Oder haben einfach Angst, mit der Staatsbürgerschaft ihrer Eltern auch ihre Identität aufzugeben. Die Türkiye macht den deutschen Politikern bittere Vorwürfe: „Sie ignorieren die Dramen, die sich abspielen.“ Am meisten Angst dürften die Doppelstaatler allerdings davor haben, was der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte Hessen, Manuel Parrondo, prophezeit: „Wer sich später meldet, kann ausgewiesen werden.“

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