Berlin : Warten auf die Sterbeurkunde In Spandau dauert die Bescheinigung sechs Wochen

Witze über träge Beamte gibt es, seit es Ämter gibt. Doch was derzeit im Standesamt in Spandau passiert, finden Hinterbliebene von Verstorbenen gar nicht witzig: Sie müssen bis zu sechs Wochen auf eine Sterbeurkunde warten, insgesamt sind 300 Fälle im Amt aufgelaufen. Der älteste gestern noch nicht bearbeitete Fall datiert auf den 20. Februar zurück. „Die Angehörigen sind stinksauer“, berichtet Rüdiger Kußerow von der Bestatter-Innung Berlin.

Grund für die Verzögerungen ist eine Personalknappheit im Standesamt. „Uns traf eine Grippewelle. Hinzu kamen schwere Erkrankungen“, sagte die Stadträtin für Bürgerdienste, Daniela Kleineidam (SPD). Von sieben Mitarbeitern haben sich nacheinander vier krankgemeldet. Eine weitere Stelle ist seit Herbst nicht besetzt, so dass zeitweise nur zwei Beamte ihre Arbeit verrichten konnten. Laut Rüdiger Kußerow von der Bestatter-Innung hätte das Bezirksamt längst reagieren müssen. „Seit November motzen wir“, sagt er. Damals hatte das Bestattungsunternehmen Helmut Witzke einen Hilferuf an die Innung geschrieben. Das Standesamt sei zu einem „Katastrophengebiet“ geworden und die Mitarbeiter „völlig überlastet“.

Sterbeurkunden müssen in dem Bezirk, in dem der Sterbeort liegt, ausgestellt werden. Ohne sie bekommen die Hinterbliebenen Probleme. Ehegatten müssen innerhalb von drei Wochen die Witwen- oder Witwerrente beantragen. Bankkonten können ohne Sterbeurkunde ebenso wenig aufgelöst werden wie Vereinsmitgliedschaften oder Versicherungen. Auch eine Urnenbeisetzung ist ohne die Urkunde nicht zugelassen. In der Regel ist das alles kein Problem. „Bei uns dauert es drei bis fünf Tage“, sagte Sabine Bimböse, Leiterin des Amtes für Bürgerdienst in Treptow-Köpenick.

In Spandau deutet sich erst jetzt eine Verbesserung der Situation an. Eine krankgemeldete Mitarbeiterin ist seit Montag wieder zurück und jeweils ein Standesbeamter aus Reinickendorf und aus Mitte sind seit dieser Woche vorübergehend in Spandau im Einsatz. Hinzu kommt eine erste Krankheitsvertretung aus dem Stellenpool. „Ich hoffe, dass die jetzt den Rückstau abarbeiten“, sagte Kleineidam.mj

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