Berlin : Was die BVG von München lernen kann

Weil die Bahn unpünktlich fährt, erhöht die bayerische Hauptstadt die Fahrpreise nicht. In Berlin läuft das anders

Klaus Kurpjuweit

Wer derzeit mit der S-Bahn, der U-Bahn oder der Straßenbahn unterwegs ist, braucht vor allem eins: sehr viel Geduld. Baustelle folgt auf Baustelle, was bedeutet, das man umsteigen muss und viel länger unterwegs ist, als es der normale Fahrplan vorsieht. Als Ausgleich erhalten die Kunden nichts. Ganz anders sieht es in München aus. Dort wollen die Verkehrsbetriebe in diesem Jahr auf eine Tariferhöhung verzichten. Wegen der vielen Baustellen im Netz.

In Berlin dagegen besteht vor allem die BVG darauf, dass die Preise Jahr für Jahr steigen; ob es Einschränkungen im Betrieb gibt oder nicht. Sie argumentiert, nach Abschluss der Bauarbeiten hätten Fahrgäste auch Vorteile, wenn die Züge zum Beispiel dadurch schneller werden, und die Fahrgäste ihr Ziel dann schneller erreichen. Wenn überhaupt, schafft es die BVG durch die Bauarbeiten in der Regel aber nur, die Fahrtzeit um ganz wenige Minuten zu verringern. Meist sind die Arbeiten erforderlich, um die alten Anlagen wieder auf den neuesten Stand zu bringen.

In München dagegen wird sich das Angebot nach Abschluss der Arbeiten deutlich verbessern. Hauptbaustelle ist der Tunnel der S-Bahn unter dem Zentrum, wo die Anlagen so ausgebaut werden, dass erheblich mehr Züge als bisher durch die Röhren fahren können. So wird es möglich sein, auf zahlreichen S-Bahn-Linien einen Zehn-Minuten-Takt einzuführen. Bisher müssen die Fahrgäste 20 Minuten auf einen Zug warten.

Gebaut wird im Tunnel in München zudem so, dass der Verkehr in der Regel nur am Abend sowie am Wochenende unterbrochen wírd. Bei der BVG und der S-Bahn in Berlin gibt es dagegen oft monatelange Komplettsperrungen. So ist der Verkehr der S-Bahn zwischen den Stationen Charlottenburg und Zoo für mehr als ein Jahr unterbrochen. Die Arbeiten verzögern sich sogar um vier Monate, weil die Bahn und der Senat sich lange um den Preis für ein Grundstück gestritten hatten. Das Nachsehen haben die Fahrgäste, die vier Monate länger, bis zum 17. April, Umwege in Kauf nehmen müssen. Zuvor waren zwischen Zehlendorf und Wannsee wochenlang keine Züge gefahren.

Fast zwei Monate gesperrt war auch bei der U-Bahn der Abschnitt zwischen den Stationen Nollendorfplatz und Gleisdreieck/Hallesches Tor. Hier fahren von morgen an wieder die Züge ohne Einschränkungen. Heute allerdings ist noch einmal die Strecke Hallesches Tor – Kottbusser Tor gesperrt. Dafür fahren von morgen an bis zum 12. September auf der U 2 zwischen Wittenbergplatz und Zoo jeweils nach 22 Uhr keine Bahnen.

Weiter geht es dann vom 13. September an auf der Linie U 5. Voraussichtlich bis zum 15. Dezember werden zwischen Alexanderplatz und Frankfurter Allee keine Züge fahren. Fahrgäste müssen auf Busse ausweichen, die wahrscheinlich auf der Frankfurter Allee im Stau stecken bleiben werden.

Bei der Straßenbahn sind die Einschränkungen so umfangreich, dass die BVG zur Information der Fahrgäste regelmäßig eine besondere Broschüre nur für diese Sperrungen und Umleitungen herausgibt.

Obwohl die Arbeiten in Berlin viel umfangreicher sind als in München, bereiten die Verkehrsbetriebe hier die nächste Tariferhöhung bereits vor. Die letzte war am 1. August. Dabei wollen die Münchener nicht nur wegen der Bauarbeiten auf eine Tariferhöhung verzichten. Die wirtschaftliche Gesamtsituation lasse eine Erhöhung der Fahrpreis derzeit nicht zu, heißt es bei den Verkehrsbetrieben. Die derzeitigen Preise gelten als ausgereizt. In Berlin dagegen wollen BVG und S-Bahn vor allem die Stammkunden weiter zur Kasse bitten. Während Einzelfahrscheine schon jetzt deutschlandweit zu den teuersten gehören, seien die Tarife für Monatskarten verhältnismäßig günstig. Und das wollen die Unternehmen ändern.

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