Berlin : Was einst Placido Domingo trug

Die Deutsche Oper verkaufte Kostüme aus ihrem Fundus. Tausende kamen und probierten

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Der Hut sieht aus wie eine explodierte Bonbonniere. Furchtlos setzt die Dame ihn auf. Sie ist schon in den Fünfzigern, trägt grauen Kurzhaarschnitt und Lesebrille und wird mit dieser wilden Kopfbedeckung aus pastelligem Tüll wohl niemals vor die Tür gehen. Dennoch wendet sie sich einen verträumten Moment lang kokett vor dem Spiegel, bevor sie seufzt: „Ach, nein“ – und den Hut wieder hinlegt.

Sie war eine von Tausenden, die gestern zum Kostümverkauf in die Deutsche Oper Berlin strömten und die endlosen Stangen durchforsteten, auf denen mehrere tausend Kostüme hingen. Es war das zweite Mal, dass in der Bismarckstraße aufgeräumt wurde – diesmal mitten in der Ballsaison und rechtzeitig zum Karneval.

Einige suchten ein Faschingskostüm, andere ein Ballkleid, manche waren bloß neugierig. Anderthalb Stunden mussten sie dafür gegen Mittag Schlange stehen. „Ich kann gar nicht hinschauen“, stöhnte Kostümdirektorin Dorothea Katzer, die an jedem der Stücke hängt. „Aber wir können ja nicht immer neue Räume für den Fundus mieten. Man muss sich auch trennen können.“ Rund 80 000 Kostüme bleiben der Oper immer noch, die sie irgendwo lagern muss. Pro Aufführung werden im Schnitt 300 gebraucht.

In den Uniformen, Ballkleidern, Samtwämsen, Mänteln und Gehröcken steht oftmals noch drin, wo das Stück herkommt, etwa: „Aufführung: Falstaff; Rolle: Statist“. Es findet sich aber auch Kleidung von der Stange, so ein Herren-Kurzmantel von C&A, geschätztes Produktionsdatum in den 60ern, der heute noch straßentauglich wäre. Einige Kostüme wurden von Berühmtheiten wie Placido Domingo, Dietrich Fischer-Dieskau oder Brigitte Fassbaender getragen – wenn man bloß wüsste, welche. fk

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