Berlin : „Was gut ist, läuft“

Peter Glückstein, Vorstandsvorsitzender der Goya AG, ist sicher, dass sein neuer Nachtclub Erfolg hat. In rund elf Wochen ist Eröffnung. Heute zeigt er noch einmal die Baustelle am Nollendorfplatz

Matthias Oloew

Das große Oval ist voll gestellt mit Baugerüsten, die künftige Pracht bislang nur zu erahnen. Peter Glückstein aber schwärmt: „Wie eine Basilika wird das: ein Hauptschiff und zwei Seitenschiffe.“ Die architektonischen Begriffe passen auch auf das künftige Konzept. Glückstein macht derzeit aus dem ehemaligen Metropol am Nollendorfplatz eine Kathedrale des Amüsements. In gut elf Wochen soll hier sein Club „Goya“ öffnen.

Die vielen Baugerüste irritieren ihn nicht. „Alles wird pünktlich fertig“, sagt er und verweist auf die immer wieder gehörten Zusagen der Bauleute, dass es klappt. Am 3. November soll es losgehen, in einem Club, den es in dieser Größe und mit dieser Ausrichtung bisher nicht nur in Berlin noch nicht gibt. Glückstein ist natürlich optimistisch, aber er mag es auch, wenn er in skeptische Gesichter schaut, die fragen: Kann das funktionieren? „Das kenne ich schon von meiner Bar am Lützowplatz“, sagt er, „da war es vor 15 Jahren genau dasselbe. Die Leute haben gesagt: In der Gegend mit dem Investment – du bist bekloppt.“ Glückstein hat seinen Skeptikern bewiesen, dass es klappt.

Das will er jetzt wieder tun. Allerdings ist das „Goya“ ein paar Nummern größer als die Bar am Lützowplatz. Zehn Millionen Euro kostet der Umbau nach den Plänen des Architekten Hans Kollhoff. Nur zwanzig Prozent der Summe machen Zuschüsse von Getränkekonzernen und Darlehen aus. Der große Rest ist Geld, das er als Vorstandsvorsitzender über die Aktien der Goya AG hereinbekommen hat.

Noch läuft die dritte und letzte Kapitalerhöhung. Noch können Aktienpakete zu 3960 oder 1980 Euro gezeichnet werden. Dafür bekommt der Aktionär eine Mitgliedskarte für den kostenfreien Eintritt. Hat er das teure Paket gewählt, darf er zwei Begleitungen mitbringen. Sonst nur eine. Und er darf in die dritte und oberste Galerie vordringen, die allein den Aktionären vorbehalten sein wird.

Hier oben wird Glückstein euphorisch. Er spricht von der baskischen Küche, die es im „Goya“ geben wird.Von einem edlen Restaurant, das täglich zwei Menüs anbieten wird. Von den vielen Bars im ganzen Haus, an denen Cocktails gemixt werden oder eine große Auswahl an Bieren ausgeschenkt wird. Und er schwärmt von der riesigen Tanzfläche, die bis zu 2000 Gäste aufnehmen soll und von DJs beschallt wird, die schon ausgesucht sind. Ihr Stil: Weltmusik, Jazz, Soul, Salsa. Ihre Mixes wird es auf CDs geben, die das hauseigene Label herausbringt und am Merchandising-Stand verkauft.

Und das soll in Berlin funktionieren? In dieser notorisch klammen Stadt, mit einer höchst überschaubaren Gruppe von Nachteulen, die nicht darauf achten muss, was der Kreditrahmen der Geldkarte hergibt? Glückstein ist sicher: „Alles, was gut ist, läuft.“ Aber er schaut ernst: „Dieser Laden hat nichts mit Exklusivität zu tun.“ Hoppla. haben wir das was falsch verstanden? „Ja“, sagt er knapp, „willkommen sind alle, ob 20 oder 60 Jahre alt.“ Auf einen Dresscode werden seine Türsteherinnen (ausnahmslos Frauen) nicht achten müssen, kündigt er an. „Wir freuen uns über Smokings, aber auch über Turnschuhe.“ Der Eintritt wird zehn Euro kosten. Und wer sich mit ein paar Cocktails erst in Stimmung trinken muss, kann das zu günstigeren Preisen bei der Happy Hour tun, die es immer zwischen 18 und 21 Uhr geben wird.

Seine Begeisterung steckt an. Und doch meldet sich immer wieder der Skeptiker. Glückstein kennt das und antwortet gelassen. Ist die leicht schmuddelige Gegend am Nollendorfplatz der richtige Standort? „Na sicher“, sagt er, „gute Clubs stehen überall an solchen Plätzen.“ Wäre nicht Mitte besser? „Wo denn? Am Hackeschen Markt? Das ist ein hochgekochtes Bermuda-Dreieck mit lauter Schnellgeschäftemachern. Das hat keine Substanz.“ Und die anderen Versuche, einen glamourösen Nachtclub in Berlin zu etablieren, halten ihn nicht davon ab, an seine Pläne zu glauben. „Mit Schwenkows Pappmaché-Kulisse im Adagio (dem Nachtclub am Marlene-DietrichPlatz) möchte ich nicht verglichen werden. Das ist reiner Kommerz.“

Das sagt der ehemalige Maoist Glückstein. Und wie er das sagt, klingt es so, als ob in seinem neuen Laden bald mächtig Stimmung aufkommt. Immer donnerstags bis sonnabends wird der Club geöffnet sein, an den anderen Tagen will er das Haus vermieten, für Filmpremieren, Konzerte, Modenschauen. Für Gesprächsstoff ist jedenfalls gesorgt. Auch wenn das „Goya“ erst im Rohbau steht.

Die Baustelle kann heute zwischen 14 und 17 Uhr besichtigt werden. Letzte Führung ist um 16 Uhr 30.

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