Berlin : Was kommt beim Ärzteprotest auf die Patienten zu?

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Herr RichterReichhelm, was bedeutet „Dienst nach Vorschrift“ für die Patienten?

Sie werden längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen, weil die Mediziner nur noch die Leistungen erbringen, für die sie auch bezahlt werden. Dadurch wird zum Beispiel eine nicht sofort notwendige Behandlung ins nächste Quartal verschoben. Die Ärzte werden überall dort, wo das möglich ist, nur noch billigere, aber wirkstoffgleiche Ersatzmedikamente verschreiben. Für viele Patienten bedeutet das einen Verzicht auf ihr vertrautes Originalpräparat. Und schließlich werden die Ärzte keine Medikamente mehr verschreiben, deren Wirksamkeit umstritten ist, zum Beispiel Venensalben oder Gingko-Präparate. Mit all dem halten wir uns buchstabengenau an das Gesetz.

Werden Arztpraxen geschlossen?

Ärzteverbände haben dazu aufgerufen, einen Teil der Praxen zu schließen. Wir werden mit einem Dienstplan die Versorgung der Kranken sicherstellen.

Was sagen Sie zu dem Vorwurf, die Ärzte nähmen die Patienten in Geiselhaft?

Auf den ersten Blick ist diese Kritik verständlich. Doch auf den zweiten zeigt sich, dass wir dies im Interesse der Patienten tun. Denn wenn sich die Bundesregierung mit ihren Reformplänen durchsetzt, dann droht Deutschland eine staatsdirigierte Kassenmedizin. Wir fürchten, dass nicht mehr der Arzt über die Therapie bestimmt, sondern die Funktionäre der Krankenkassen. Die Fachärzte werden nur noch in Krankenhäusern zu finden sein. Monatelanges Warten auf einen Behandlungstermin ist dann die Folge.

Erwarten Sie, dass alle Berliner Kassenärzte an dem Protest teilnehmen werden?

Nein. Die Hausärzte werden wohl ausscheren. Doch allein schon dann, wenn nur die Fachärzte mitmachen, wird das zu spüren sein. Denn gerade in Berlin suchen viele Patienten gleich eine Facharzt auf, ohne vorher ihren Hausarzt zu konsultieren.

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