Was macht die Familie? : Auf Nummer sicher gehen

Wie ein Vaterdie Stadt erleben kann.

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Manchmal passieren Dinge, die einen selbst als Unbeteiligten erst mal schockieren. Freunden ist das jetzt passiert, deren älteste Tochter übers Wochenende eine Klassenkameradin verloren hat – bei einem Verkehrsunfall im Umland. Es war wohl eher eine Verkettung unglücklicher Umstände als grober Unfug, aber ist das ein Trost? Ein Kind ist gestorben, als es nichtsahnend bei Oma und Opa im Auto saß, mit sieben Jahren.

Passiert ist es an einem Sonnabend im Winter. Die Freunde haben es am Sonntag erfahren, mussten sich erst mal hinsetzen und dann dringend an die frische Luft. Und danach ihrer Tochter erklären, warum am Montag in der Schule ein Platz leer bleiben wird. Die Kleine hat erst einfach zugehört und sehr verständnisvoll gewirkt. Die Emotionen kamen am nächsten Tag, auch bei den anderen in der Schule. Reden, schweigen, schreien, weinen – jeder hat anders reagiert. Zurück blieb nur die banalste aller Fragen, die zugleich die gemeinste ist, weil es auf sie keine akzeptable Antwort gibt: Warum?

Bei den Klassenkameraden wird die Erinnerung an das Mädchen schon jetzt, ein paar Wochen nach dem Unfall, allmählich blasser. Vielleicht verheilen nicht nur aufgeschürfte Knie, sondern auch aufgeschürfte Seelen bei Kindern schneller als bei Erwachsenen.

Wenn es einen schon selbst nicht direkt betrifft, so will man der Sache doch wenigstens irgendetwas Konstruktives abgewinnen. Die Freunde nahmen es als Chance, mit ihrer Tochter über Gefahren zu reden. Die kennen Kinder ja vor allem aus Märchenbüchern – ob es nun die Hexe ist, die im Pfefferkuchenhaus schon mal den Ofen vorheizt, oder der Wolf, der Rotkäppchen an der nächsten Weggabelung abpasst, sofern nicht vorher schon der Räuber Hotzenplotz zuschlägt.

Nicht im Wald ist es gefährlich, erklärten die Eltern also dem Kind, sondern direkt vor der Haustür: auf der Straße. „Alle 11 Stunden verunglückte ein Kind“, steht in der Unfallbilanz der Berliner Polizei. Fast 800 verunglückte Kinder im Jahr – eine ganze Schule, allein in Berlin. „Nichtbeachten des Fahrzeugverkehrs“ heißt die häufigste Ursache im Polizeideutsch. Wie viele Unfälle sich verhindern ließen oder zumindest weniger schlimme Folgen hätten, wenn alle Erwachsenen konsequent vernünftig fahren würden, erfasst die Statistik nicht. So bleibt nur, die eigenen guten Vorsätze einzuhalten. Und zu hoffen, dass der Ernstfall einen selbst nie trifft. Stefan Jacobs

Infos zur Verkehrssicherheit von Kindern und Adressen der Verkehrskindergärten unter: www.berlin.de/polizei/verkehr/sicherheit.html und unter www.berlin-sicher-mobil.de

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