Was macht die Familie? : Kleine Welten bauen

Wie ein Vater die Stadt erleben kann: Der Sohn spielt liebend gerne am Laptop Minecraft, baut ganze Städte in 3D. Das war doch früher gar nicht so anders, nur eben mit Spielzeughäusern im Maßstab H0.

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Die Welt im Kleinen. Eine Ausstellung im Museum Steglitz zeigte die Welt der Wiking-Autos. Foto: Thilo Rückeis
Die Welt im Kleinen. Eine Ausstellung im Museum Steglitz zeigte die Welt der Wiking-Autos.Foto: Thilo Rückeis

Ich stehe der technologischen Entwicklung im Kinderzimmer prinzipiell ablehnend gegenüber. Das war bei meinen Eltern nicht anders. Die hatten etwas gegen Fernsehen (das machte angeblich dumm, dabei gab es nur drei Sender) und Stereoanlagen (die machten schwerhörig). Heute habe ich etwas gegen Fernsehen, iPods, Gameboys und vor allem gegen Laptops, die nie ausgeschaltet werden! Erst recht, wenn das mit den Schulnoten nicht optimal läuft.

Ich bin tatsächlich spießiger als meine Eltern es je waren. Und in einem Punkt muss ich Abbitte leisten. Leo spielt an seinem Laptop Minecraft, und darin erkenne ich mich wieder. In Minecraft konstruieren die Spieler ganze Städte in 3 D, und ich erinnere mich plötzlich an meinen Schulfreund Cornel, der in seinem Keller im Maßstab H0 eine kleine Stadt aufgebaut hatte.

Es war wie eine dieser Modelleisenbahnwelten, bloß ohne Eisenbahn. Im Zentrum seines und meines Interesses stand damals das Auto. Ich verbrachte Stunde um Stunde in Cornels Keller, um die originalgetreuen Wiking-Autos auf den Straßen zwischen den Faller-Häusern hin und her zu schieben. Die Kleinstadt in Cornels Keller hatte einen Namen, den habe ich vergessen. Sie war ein Sehnsuchtsort für mich, in dem ich erwachsen war und tolle Autos fuhr, einen Porsche 911, einen Jaguar E-Type.

Leo spielt Minecraft mit seinem Freund Jakob, der zwei Häuser weiter wohnt. Autos spielen bei den beiden keine Rolle, es ist eben ihre Welt. Der größte Unterschied ist, dass ich damals kilometerweit mit dem Fahrrad fahren musste, um zu Cornel zu gelangen. Das würde Leo manchmal guttun. Aber Schlechtes kann ich an Minecraft nicht mehr finden. Und gerade habe ich auch noch gelesen, dass das Museum of Modern Art in New York das Spiel in seine Kollektion aufgenommen hat. Jetzt ist für mich pädagogisch wertvollen Spießer die Sache doppelt geritzt.

Ich würde Leo gerne an meiner Welt teilhaben lassen, aber die Wiking-Ausstellung im Museum Steglitz haben wir knapp verpasst. Ich denke, wir schauen uns zusammen Loxx am Alex an, ein Nachbau von Teilen Berlins im selben Maßstab wie die Kleinstadt in Cornels Keller. Ich hab ihn irgendwann völlig aus den Augen verloren. Bald ist 30-jähriges Abiturtreffen, vielleicht kommt er ja.


Loxx im Einkaufszentrum Alexa, täglich 10 bis 20 Uhr. (12,90 Euro für Erwachsene, 8 Euro für Kinder, die über einen Meter groß, aber jünger als 14 sind.)

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