Was macht die FAMILIE? : "Mund auf, Augen zu" spielen

Wie eine Mutter die Stadt erlebt - Fatina Keilani lässt ihre Kinder neue Speisen probieren und stellt Unterschiede zwischen den Geschlechtern fest

Bald ist es wieder soweit: Weihnachtsbäckerei!
Bald ist es wieder soweit: Weihnachtsbäckerei!Foto: picture-alliance/ dpa

Tak tak tak tak tak. Das ist mein Achtjähriger beim Zwiebelschneiden. Er hat ein unglaublich scharfes Profi-Kochmesser und benutzt es auch wie ein solcher: Die Spitze bleibt unten, nur der Griff hebt und senkt sich. Die Klinge ist zwanzig Zentimeter lang, er hält sie mit beiden Händen am oberen Rand. Der Junge hat Talent, er ist geschickt, und er ist neugierig auf unbekannte Geschmäcker, so wie sein großer Bruder. Den beiden kann man eigentlich alles vorsetzen, sie werden es essen, mit ihnen zu kochen macht Spaß, sie haben Ideen und Lust auf Experimente, nur der Umgang mit den neuen scharfen Messern macht mich immer noch etwas nervös.

Ganz anders die Schwestern: Dies essen sie nicht, das essen sie nicht, und was sie nicht kennen, essen sie schon mal gar nicht. Arabische Linsensuppe? „Lecker!“, kommt von den Jungs, die natürlich auch professionell mit dem Pürierstab umgehen. „Bääh“, kommt von den Mädchen. Wie kann das sein? Sie wurden doch alle vier im selben Haus sozialisiert, so gut wie immer mit mir am Herd. Und dann die Spiele: Von klein auf haben wir schmecken geübt; bis heute ist „Mund auf, Augen zu“ immer mal wieder eine beliebte Beschäftigung. Ich bereite dafür sehr viele kleine Bissen vor und verstecke sie in einem großen Topf. Die Kinder sitzen mit aufgerissenen Mündern und geschlossenen Augen da, ich lege ihnen die unterschiedlichsten Dinge in den Mund und sie müssen raten, was es ist. Wenn ich mal tricksen will, ist das die Gelegenheit, den Mädchen etwas Unbekanntes unterzujubeln in der Hoffnung, dass sie es mögen. Scherze verbieten sich da allerdings oder gehen nach hinten los.

Schon vor längerer Zeit hatte ich mir vorgenommen, mehr gemeinsam mit den Kindern zu machen – damals dachte ich noch an so etwas wie Spieleabende. In Wahrheit schaffen wir das nicht. Vier Schulkinder haben zu viel zu tun mit Hausaufgaben, Sport und Musik, aber abends essen, das müssen wir sowieso. Hier können wir das Notwendige mit dem Schönen verbinden und uns zudem als Gemeinschaft erleben.

Eins immerhin ist auch mit den Mädchen zu machen: Dessert. Fürs Süße sind sie jetzt zuständig. Als wir neulich nämlich gar nichts im Haus hatten, haben wir American Pancakes gemacht, und hier erwies sich die große Schwester als Meisterin: rund, goldbraun und gleichmäßig wurden ihre Pancakes, die sie zu Stapeln schichtete. Die kleine Schwester ist seit Jahren bei uns die präziseste, wenn es an die Weihnachtsbäckerei geht. Ihre Kekse sind alle gleich dick und werden hinterher ästhetisch ansprechend verziert. Im Dezember wird ihre Stunde schlagen: Weihnachtsbäckerei!

Am seltsamsten ist aber, dass die Mädchen angesichts der von uns angerichteten Speisen manchmal begeistert rufen: „Sieht aus wie in der Werbung!“, die Teller fotografieren und die Bilder bei Instagram posten – aber dann nichts essen.

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