Was macht die Familie? : Neue Vorsätze fassen

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann.

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Jan und Josefine gehen hoffnungsvoll ins neue Jahr. Alles soll besser werden. Das vergangene hat sie ganz schön geschafft, zumindest die letzten Wochen vor Weihnachten. Jede Menge Erdkunde- und Englischtests, Deutsch- und Mathearbeiten, alles – paff, paff, paff! – hintereinanderweg, denn bis zur Zeugnisübergabe Ende Januar bleibt Schülern wie Lehrern kaum noch Zeit, an den Halbjahresnoten zu schrauben. Mal abgesehen von der Anlaufphase, die der jugendliche Denkapparat jedes Mal nach den Ferien braucht.

Hinzu kam das Weihnachtsprogramm: Santa Lucia in den Nordischen Botschaften, Kinderoper im Radialsystem. Jan und Josefine haben uns anschließend klipp und klar erklärt, dass es das im neuen Jahr nicht mehr geben wird. Dafür seien sie nun zu groß. Und wo sie schon einmal dabei waren, wurde auch gleich das Museumsfest in der Gemäldegalerie für 2012 gekippt. Das wäre doch nur Kinderkram.

Nein, mit zehn Jahren sehen sich Jan und Josefine auf einer anderen Stufe der Leiter. Ihre Interessen sind handfesterer Natur. Seit Jan von seinem Freund Paul zum Training für Eisschnelllauf mitgenommen wurde, stellt er sich seine Zukunft in windschnittigem Dress auf extralangen Kufen vor. Und Josefine hat durch ihre Freundin Chaima vom Hip- Hop-Unterricht in einer Tanzschule erfahren. Seitdem probt sie zu Hause vor dem Spiegel die gewagtesten Hüftschwünge. Basketballer, Pfadfinder – das wollen sie natürlich trotzdem noch bleiben. Na dann.

Doch nicht nur bei ihrer Freizeitgestaltung haben Jan und Josefine neue, eigene Vorstellungen entwickelt. Auch bei der Menüfolge des Weihnachtsessens (Jan: „Ich bin Halb-Vegetarier! Ab sofort höchstens Hühnerfleisch!“) und der Urlaubsplanung verlangen sie fortan verstärktes Mitspracherecht. Ostern schon wieder nach Schweden? Die beiden markieren gekonnt einen Gähnanfall. Warum nicht ins Warme, nach Italien, Spanien und an den Strand? Josefine hat sich dagegen für die Sommerferien etwas ganz Besonderes ausgedacht: New York! Mit Tokio wäre sie auch einverstanden, nur eine Weltstadt, möglichst weit weg, müsste es für die City-Hopperin schon sein.

Als Eltern staunen wir nicht schlecht. Früher war doch – fast – alles recht. Willkommen im Jahr 2012 mit neuen Anforderungen und alten eigenen Vorsätzen (mehr Sport!). Als Einstieg gehen wir erst einmal zusammen ins Wilmersdorfer Eisstadion, Schlittschuhlaufen. Dann werden wir weitersehen. Es ist ja auch erst Jahresanfang. Nicola Kuhn

Horst-Dohm-Eisstadion, Fritz-Wildung-Straße 9, Tel.: 8241012, Mo-Fr 9-18 Uhr, 19.30-22 Uhr, Sa 9-22 Uhr, So 10-18 Uhr.

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