Berlin : Waschen, ziehen, legen – Multitalente auf vier Pfoten

„Hunde für Handicaps“ bildet Behindertenbegleithunde aus – hierfür benötigt der Verein dringend Geld

Viola Volland

Ben ist ein Multitalent. Der schwarze Labrador-Retriever kann Türen öffnen und schließen, das Licht an- und ausknipsen. Er bringt das Telefon, wenn es klingelt und zieht sein Frauchen Steigungen hoch, wenn Angela Beyer das nicht alleine schafft. Angela sitzt im Rollstuhl. Sie leidet an einer angeborenen spastischen Lähmung. Ein Leben ohne ihren dreijährigen Hund kann sich die junge Frau heute nicht mehr vorstellen. „Ich nehme Ben überall hin mit“, sagt die 29-Jährige. Sogar zur Arbeit in der Buchhaltung einer Berliner Firma.

Dass ihr Hund so hilfsbereit geworden ist, verdankt Angela „Hunde für Handicaps“. Seit zwölf Jahren bildet der gemeinnützige Verein Behindertenbegleithunde aus. Die fünf ehrenamtlichen Hundetrainer des Vereins unterstützen Behinderte, die ihre Hunde selbst ausbilden möchten. Und sie trainieren in Kooperation mit Patenfamilien Hunde, die später an Behinderte aus ganz Deutschland abgegeben werden. Die Nachfrage nach ihren Behindertenbegleithunden sei sehr groß, sagt Kerstin Gerke, Ausbildungswartin beim Verein. Aber die Fremdausbildung dauert lange und ist sehr teuer: Erst muss der Hund angeschafft, dann der Tierarzt und das Futter bezahlt werden. Die Krankenkassen zahlen hiervon nichts. „Hunde sind nicht im Hilfsmittelkatalog, als Hilfsmittel gilt nur der Rollstuhl“, sagt Gerke. Hier hofft der Verein auf die Spenden der Tagesspiegel-Leser. Mindestens zwei Jahre müssen Behinderte derzeit auf einen Vereins-Hund warten.

Auch Angela Beyer wollte sich ursprünglich einen schon ausgebildeten Hund anschaffen. „Aber das dauerte mir zu lange, da habe ich mir Ben besorgt.“ Einmal die Woche fährt die 29-Jährige mit ihrem Hund von Lichtenberg nach Buch, wo der Übungsplatz von „Hunde für Handicaps“ ist. Eine Stunde ist sie immer unterwegs, aber das nimmt sie gerne in Kauf. „Ich hatte vorher einen anderen Trainer, doch der konnte sich gar nicht in mich hineinversetzen“, sagt sie. Bei „Hunde für Handicaps“ sitzen die meisten Trainer selbst im Rollstuhl. Der Trainingsplatz ist betoniert, hier bleibt kein Behinderter mit seinen Rädern im Rasen stecken.

Heute ist Ben beim Training in der Fortgeschrittenengruppe. Gehorsam steht auf dem Stundenplan, und der Labrador-Retriever ist schwer gefordert: Während andere Hunde Bällen hinterher jagen dürfen, muss er bei Angela Beyer sitzen bleiben. „Gehorsam ist das Wichtigste“, kommentiert Kerstin Gerke. „Wenn die Hunde plötzlich davon ziehen, fliegt der Rollstuhlfahrer aus dem Rollstuhl.“ Hilfeleistungen werden einzeln trainiert, ausgerichtet an den Bedürfnissen der Besitzer. Der eine Hund lernt, eine Spülmaschine zu schließen, der nächste, Socken aus der Waschmaschine zu fischen, der Dritte, aus dem Wohnzimmerschrank eine Fernsehzeitschrift zu holen.

Solche Hilfeleistungen sind das eine, was Behindertenbegleithunde wichtig für ihre Besitzer macht. Das andere ist das Soziale. „Man lernt viel mehr Leute kennen durch den Hund“, sagt Angela. Weil Berührungsängste verschwinden. Früher habe sie selten das Haus verlassen. „Heute muss ich drei mal am Tag raus.“

„Hunde für Handicaps“ wünscht sich Geld, um Welpen für die Fremdausbildung zu kaufen, damit sie mehr Behinderten schneller helfen können. Außerdem ist er auf der Suche nach Patenfamilien, die Hunde für ein Jahr bei sich aufnehmen (Tel. 030 / 29492000).

Spenden an: Spendenverein Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Konto-Nr. 250030942, Berliner Sparkasse, BLZ 100 500 00. Bitte geben Sie Namen und Anschrift komplett an, damit wir Ihnen den Spendenbeleg zuschicken können. Auch Online-Banking ist möglich.

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